By the way (Nummer 44, 27. Juni 2012) - in Kooperation mit der Wettzentrale

Was spricht eigentlich dagegen, beim Griechen wieder mit Drachmen zu bezahlen? Alte Währung einführen, Abwertung, zack. Das Essen ist dann immer noch lauwarm, man verbrennt sich nicht ständig den Mund (vgl. Lasagne!), und noch dazu kostet es wieder so wenig wie früher. Hotels, Wohnungen, Häuser, Yachten etc. genauso. Aus 10 Prozent der Wirtschaftsleistung durch Tourismus mach 30, alle gerne hin, Bomben ja auch Fehlanzeige.

Zwar kann der Grieche selbst sich dann nicht mehr so viele teure aus dem Ausland importierte Produkte kaufen – aber kann er das denn jetzt? Mit billiger Drachme könnte Griechenland auch mal wieder ein oder zwei eigene Produkte exportieren, viele gibt’s ja nicht, aber vielleicht gibt’s dann sogar neue! Billige Drachme inflationiert übrigens Auslandsschulden weg – gut für die Griechen, schlecht für unsere Banken, aber hey, kein Mitleid an dieser Stelle, haben lange genug Superzinsen kassiert. Und es soll Keiner so tun, als würde Griechenland außer den Zinsen irgendwelche Schulden tatsächlich jemals zurückzahlen können. Dass reiche Griechen nicht in billiger Drachme sparen? Verständlich, aber bis runter zur Mittelschicht haben die allesamt schon längst in Zürich, London oder bei der Sparkasse angelegt. Minor problem also. Und mit Drachme sind wir auch nicht weniger Europa als jetzt, mit Pfund und Franken. Also, was spricht dagegen, außer den dunklen Mächten, die Keiner wirklich kennt, und die schon die nächste Ebene planieren, für den Fiskalpakt und solche Dinge, au weia...

In Island, wo grade Sommer herrscht und die Bevölkerung bester Laune, jeder ein Sixpack in der Hand, draußen rumliegt, da waren sie ja kürzlich bankrott, aber wie. Nicht leicht für die Leute, wahrlich nicht, aber gute Laune trotzdem. Und Bänker im Gefängnis, so siehts aus. Gefängnis auf isländisch halt, ohne Gitter, von außen eher Hotel. Und beim E-Jugend Turnier des Fußballclubs kassieren die Mütter für den selbstgebackenen Kuchen mit Kreditkarte, gibt’s des?!

Im Ausland unterwegs sein heißt im besten Fall auch manchmal, tagelang kein Internet zu haben. Da lebt man quasi medienfrei, EURO im TV ist klar, ansonsten gleich Null. Und wenn man zurückkommt, dann erfährt man, dass Bernie Ecclestone in den Knast soll, dass Thomas Gottschalk jetzt Juror beim Bohlen macht, und dass Schumi wieder nicht gewonnen hat, aber immerhin mal aufs Podium fahren konnte, wenn auch angeblich nicht ganz regelgerecht. OK, bei solchen Schlagzeilen ist die Welt immer noch in Ordnung, und der ganze Scheiß mit dem Euro und den Bonds, den ohnehin niemand so richtig versteht, kann gemütlich unter dem Radar weiterfliegen. Angst deshalb? Auf gar keinen Fall. Denn ein gutes Schnitzel gibt’s auch nächstes Jahr noch zu kaufen irgendwo, das ist sicher.

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