By the way - die Sportglosse (Nummer 99, 13. November 2013) in Kooperation mit der Wettzentrale

Ich kündige für diese Woche flächendeckende Krawalle an! Aufgrund sinkender Temperaturen und Dauerregens werden zwar voraussichtlich nur wenige Menschen diesem Aufruf folgen, aber das macht nichts. Kleine Truppen sind ohnehin schlagkräftiger. Bestes bzw. schlechtestes Beispiel hierfür ist unser altehrwürdiger Reichsbundestag, Parlament, Herzstück unserer schönen Demokratie. Da sitzen aktuell 631 Abgeordnete und sorgen sich – vor allem um sich selbst und darum, noch mehr Stellen und Funktionen zu schaffen. Ihre allerbesten, allerstärksten Kräfte nebst dutzender weiterer Superkräfte aus dem erweiterten Politikolymp zelebrieren seit Monaten ein bekanntes Spiel aus den Sandkästen des Landes: Das rote Förmchen kriegst du nur, wenn ich dafür dein gelbes bekomme, und zwei Kaugummi. Leider kommt dabei aber keine Mutter vorbei, nimmt zumindest einen der Verhandler am umgedrehten Ohr mit nach Hause und beendet damit dieses Spiel, das unsere gewählten Vertreter Koalitionsverhandlungen nennen.

Bei unseren flächendeckenden Krawallen werden wir gleich auch wie ein wildgewordener Mullah das neue Nationaltrikot symbolträchtig verbrennen, diese Mischung aus Ackermanns Victory und den schlimmsten Trikotexzessen des VfL Bochum. Ob das der gleiche Designer wie bei den grünen Trikots 88 und 90 gemacht hat? Völlige Schmerzfreiheit in Trikotfragen auch anderswo – selbst bei Real Madrid, dem königlichsten aller königlichen Clubs, selbst dort spielen sie jetzt gerne auch mal in Orange! Mit Firlefanz und Streifen überall. Massiver Verrat am Weiß, weit schlimmer noch als die mögliche Entfernung des Kreuzes aus dem königlichen und reconquista-beschwörenden Wappen wegen irgendeiner milliardenschweren Kooperation mit den Arabern. Aber so spielen sie ja auch seit Jahren – nix mehr weiß und reine Freude, trotz durchaus namhafter Trainer. Es ist geradezu eine Schande, dass attraktiver Offensivfußball mittlerweile eher mit Borussia Dortmund in Verbindung gebracht wird als mit Real Madrid. Ohne den BVB hier jetzt über die Maßen kränken zu wollen...

Flächendeckend mit medialen Krawallen überzogen wird seit Wochen auch der im Übrigen unfassbar aussehende Limburger Bischoff Tebartz van Elst wegen des aus Gründen der Intrige plötzlich als zu teuer erachteten geplanten Ausbaus seines Sitzes. Langer hässlicher Satz hier, aber er beschreibt ja auch eine lange hässliche Angelegenheit, zu der Gläubige beider Konfessionen wie auf Knopfdruck Schaum vor dem Mund bekommen. Katholiken, Heiden und Tebartz-Jüngern sei indessen mal empfohlen, den in diesem Jahr erfolgten Umzug der Diakonie mitsamt Brot für die Welt ins Zentrum von Berlin hervorzukramen. Dass hier bislang eigentlich nichts als Lobgesänge zu vernehmen waren, von wegen Neubau im Gold-Standard und im Kostenrahmen, das mutet in diesen unseren Zeiten fast wie ein Wunder an und wäre ein Grund, sofort wieder evangelisch zu werden. Aber irgendwie traut man der Sache nicht und wartet täglich auf die Veröffentlichung eines investigativen Enthüllungsartikels durch einen investigativen Chefreporter der Süddeutschen Zeitung von wegen Leichenberge im Keller, auch bei den Evangelen. Kommt so sicher wie das Amen in der Kirche, wetten...?!

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