By the way - die Sportglosse (Nummer 98, 6. November 2013) in Kooperation mit der Wettzentrale

Mal ne Frage: Was machen eigentlich Geheimdienste? Spionieren die, Beschatten, Observieren, Abhören, Waffendeals, Entführen, Foltern, Töten und so – oder liegt ihre ureigenste Aufgabe darin, Transparenzworkshops an der Volkshochschule zu veranstalten? Oder zumindest monatliche Tätigkeitsberichte an die Parlamente und Medien zu schicken, so ganz ehrliche, mit allem drin? Dass jetzt alle so tun, als seien sie brutalst überrascht davon, dass Geheimdienste geheimdienstliche Tätigkeiten im Geheimen verrichten, das ist schon seltsam. Die Kleinen lesen die drei ???, die Jungzicken bespitzeln sich in der Schule, Doppelnullagenten locken Millionen in die Kinos, und von John Le Carre, den Ludlum-Schreibern und Herrn Winslow mal ganz zu schweigen. Nichts Neues nicht, nur künstliches Gedonner und Gedöns.

Andererseits ist es natürlich völlig legitim, sich darüber aufzuregen, wenn man bespitzelt wird. War auch schon immer so. Und sich zu schämen über das grenzdebile Geschwurbel unserer vom Innenminister angeführten Politikerriege. Die Abschaffung der Geheimdienste zu fordern, nicht wegen ihrer Tätigkeit, sondern weil sie diese derart dilettantisch verrichten und ständig erwischt werden. Sogar die speziellste aller modernen Spezialeinheiten, die CTU aus der TV-Serie „24“, war ständig von der Auflösung bedroht, weil noch jeder Field Team Einsatz daneben ging. Aber Ströbele, der alte Zausel, der fährt einfach hin zum Snowden. Hoffentlich haben sie ihn nur verwanzt und nicht auch noch mit einer hochansteckenden Krankheit infiziert vor seiner Reise...

Jetzt steht zu befürchten, dass dem bleichen Supernerdspion Edward Snowden von Alibi-Kommissionen saudumme Alibifragen gestellt werden zu Sachen, die ohnehin schon bekannt sind. Und dass diese Fragensteller sich dann zu Rittern der Bürgerrechte aufschwingen und gleichzeitig mal wieder die Vorratsdatenspeicherung betreiben. Dabei hätte auch ich eine eminent wichtige Frage an den Herrn zu stellen. Wobei man annehmen wollte, dass unsere hochgerüsteten Geheimdienste dieser Frage längst nachgegangen sind und über alle relevanten Informationen verfügen. Theoretisch. In der Praxis leider Fehlanzeige, sonst wüssten wir’s ja längst, weil bleibt ja nix mehr geheim bei den Diensten. Also muss das halt auch der Snowden machen – er muss mir sagen, wie und warum der Bayrische Rundfunk unter Federführung der Marianne Kreuzer die Herren Gerd Rubenbauer und Waldemar Hartmann derartig kalt abserviert hat, dass man schon die allerschlimmsten Vergehen unterstellen wollte. Waren die beiden der beinzeigenden Pausbacke zu hässlich? Zu versoffen? Zu Macho? Alles zusammen? Oder steckte da womöglich der WDR dahinter, weil die beiden Erdbeernasen zu Bayern-lastig waren? Herr Snowden, bitte übernehmen sie, wir wollen Antworten. Denn Waldi und Rubi, das waren noch Entertainer des Sportjournalismus, die konnten uns die Zeit zwischen Pershing II und Helmut Kohl mit lustigen Anekdoten zu Fußball und Wintersport versüßen. Heute kann das bei den Öffentlich-Rechtlichen leider keiner mehr so gut, da sind wir allzu oft genötigt, den Sport ohne Ton zu sehen – in den kurzen Pausen, in denen wir uns nicht mit der Organisation des Widerstandes gegen staatliches Raubrittertum beschäftigen. Wobei, wenn nicht mal der temperamentvolle Zypriot ausreichend Dampf machen konnte gegen Zwangsbesteuerung auf Bankguthaben, dann wird das bei uns gleich dreimal nichts, das ziehen die einfach irgendwann mit EU-Deckmäntelchen drumrum in aller Ruhe durch, wetten...?!

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