By the way - die Sportglosse (Nummer 97, 30. Oktober 2013) in Kooperation mit der Wettzentrale

Wenn ich kein Orkan wäre sondern eine Frau, dann würde mich der Typ, der sich Milky Chance nennt und derzeit mit seinem Song „Stolen Dance“ die Power-Rotation der Radiosender dominiert, allein schon mit seiner Stimme wahrscheinlich rumkriegen. Dabei weiß ich nicht mal, wie der aussieht. Wie Stefan Kießling aussieht, das weiß ich dagegen sehr wohl, und deshalb wäre bei dem jedwedes Rumkriegen schon rein optisch komplett ausgeschlossen. Von Völler hier mal gar nicht zu reden. Ohnehin sind der aktuelle und der ehemalige Angreifer höchstens laue Lüftchen gegen die Rekordgeschwindigkeiten, mit denen ich in den letzten Tagen halb Europa durcheinandergewirbelt habe. Und wenn auch die ganz große Kraft jetzt raus ist, so sollen doch zumindest meine Ausläufer die beiden unansehnlichen Herren Pillendreher und ihre Clubkollegen mindestens ordentlich durcheinander- wenn nicht gleich hinwegfegen dafür, dass sie trotz klarster Erkenntnisse über das Nicht-Tor in Hoffenheim so getan haben, als wüssten sie nichts. Völler zumal hatte von außen Bildschirmsicht, der wusste das genau. Aber leider beschränkt sich Fairplay beim Fußball auf Ballrausschießen, wenn einer sich wälzt, was er fast nie vor Schmerzen aber dafür fast immer nur tut, um eine Karte zu provozieren. Den FC Bayern von 1994 gegen Nürnberg schließe ich gleich mit ein in meinen orkanartigen Zorn.

Tut richtig gut, mal ordentlich Luft abzulassen. Heiß- und Kaltluft also über diejenigen, die es verdient haben – sie sind überall, nicht nur im Sport. Nicht nur die ewigen Boris Becker-Basher, die einst mitgejubelt und mitgelitten („rüber, rüber“) haben, und die sich jetzt über das alte Wrack lustig machen, das ihnen doch nur genau das gibt, was sie wollen: Weibergeschichten, sichtbare Alkoholexzesse, peinliche Prominews. Das neue Buch verkauft sich übrigens glänzend, wie man hört. Nicht nur die dummen Funktionäre und Journalisten, die wegen der Pyros im Revierderby jetzt wieder alle Stehplatzbesucher über einen Kamm scheren. Übrigens werde ich selbst in Sinsheim, dieser gewaltfreien Oase des Friedens und der Langeweile, beim Stadionbesuch jedes Mal durchsucht und frage mich daher, wie und warum bereits am Bahnhof randalierende Chaoten auch noch von der Polizei ins Stadion eskortiert werden, um sich dort zu vermummen und alles mögliche anzuzünden.

Natürlich gibt es auch Leute, die eine gepflegte Dauer-Zerzausung verdienen. Zum Beispiel, wenig überraschend, die 75 so genannten besten Kräfte unserer allerbesten Volksparteien, die sich seit gefühlten 500 Jahren in so genannten Mega-Koalitionsverhandlungen die Posten hin und herschieben, ohne Aussicht darauf, dass das jemals ein Ende hat. Wobei das mit der Endlosigkeit womöglich gar nicht schlimm ist, weil wenn sie fertig sind, dann wollen sie uns womöglich auch noch regieren bzw. sogar „durchregieren“. Mindestens ebenso zerzaust seien all die vom Boulevard angeführten Salonrassisten an Stammtischen und in Redaktionen, die wegen dem süßen blonden Mädchen jetzt wieder zur großen Jagd auf die Sinti und Roma geblasen haben. Oder wegen dem Mord in Mannheim gleich mal alle dort lebenden Bulgaren der potentiellen Mithilfe bezichtigen. Die vorne raus gutmenschenhaft säuselnd die Abschaffung der Zigeunersoße diskutieren und hinten raus mit einem lauten stinkenden Furz sich derart über andere Länder und deren Bewohner erheben, dass sie mindestens den Dampfstrahler verdient hätten. Kärcherung auf dem Marktplatz, ausgeführt von rattenscharfen osteuropäischen so genannten Sozial-Migrantinnen im knappen Bikini. Angela und Sigmar und die anderen besten Kräfte nackt auf der Tribüne. Als Ex-Sturmwalze hat man eben manchmal solche Gewaltphantasien. Wenn ich eine Frau wäre, dann täten halt muskulöse Männer kärchern. Und den Menschen würde das so oder so gefallen, wetten...?!

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