By the way - die Sportglosse (Nummer 86, 17. Juli 2013) in Kooperation mit der Wettzentrale

Die sensationellen, total überraschenden Enthüllungen darüber, dass neun der zehn schnellsten Sprinter aller Zeiten gedopt haben, die sind ja doch auch mindestens ebenso total überraschend und sensationell wie die Enthüllungen des Herrn Snowden. Nur Usain Bolt ist sauber, im Zweifel für den nicht mal Angeklagten, demnächst läuft er unter neun Sekunden, crazy world we’re living in. Und in der ARD-Sportschau wird weiterhin der Galopper des Jahres vorgestellt, armer Addi Furler selig, damals war Doping noch nicht böse und Rudi Altig die rollende Apotheke.

Apropos Snowden: Diese wirklich arme Sau wird von Vielen als Heiland gefeiert, dessen wahre Größe ja schon die Römer und Juden vor 2.000 Jahren zu Lebzeiten nicht erkannt und ihn kurzerhand ans Kreuz genagelt hätten – so sei es nun eben wieder, bloß dass das Kreuz der Neuzeit ein Rattenloch in Jemen-West ist und der Tod nicht innerhalb von zwei Tagen sondern über einen langen Zeitraum voller Waterboarding und Zwangsernährung eintritt. Andere, darunter auch erschreckend viele fortschrittliche Elemente unserer Gesellschaft, sind bereits genervt von der Snowdenmanie und bekunden, das ständige Geschrei um den Whistleblower gehe ihnen auf den Sack. Dabei haben Whistleblower doch so viel Potential, da sollte man nicht genervt sein sondern inständig auf neues Blasen aus der Geheimpfeife hoffen. Womöglich pfeift uns Mario Gomez live aus dem Transitbereich des Flughafens Florenz bald mal was zum Gerücht, er habe dem Schweini die Sarah ausgespannt, weswegen der Schweini „Er oder Ich“ gerufen habe, weswegen er, Mario, eben jetzt mit (ausgerechnet) den Italienern in der Europaleague kicke, anstatt mit dem FCB in der Champions League auf der Bank zu sitzen.

Wenn nicht das Bayern-Zentralorgan, die Sueddeutsche Zeitung, in personam Boris Herrmann in einem vorzüglichen Artikel bereits alles zum Thema Pep und Thiago und Stillstand ist der Tod gesagt hätte, man könnte sich in seitenlangen Riemen drüber auslassen. Aber nein, alles bestens beschrieben, und wir gleich wieder zurück zum Doping. Denn heute vor zwölf Jahren donnerte Lance Armstrong die Rampen nach Alpe d’Huez hinauf und nahm Jan Ullrich locker mal 1:59 ab. Zwölf Jahre und zwei Tage später fahren sie innerhalb einer Etappe gleich zweimal hoch nach Alpe d’Huez, und tags zuvor, ergo morgen, wollte die Anti-Doping Kommission des französischen Senats die Ergebnisse der Proben von ca. 80 Fahrern vor allem aus dem Jahr 1998 veröffentlichen, von denen ca. 70 positiv sein sollen. Machen sie jetzt doch erst am 24. Juli, die 100. Tour de France darf ohne den Bericht zu Ende gehen. Ist ja auch nicht mehr überraschend und sensationell, also weder wer die aktuelle Tour gewinnt, noch, wer alles positiv war. Pantani, Jalabert, fast alle wohl. Dass sie trotzdem wahnsinnige sportliche Leistungen erbringen, das geht dabei gerne mal unter. Wirklich sensationell wäre es dagegen, ein Pferd anzuklagen. Acatenango vor Gericht, angeklagt wegen der Einnahme verbotener leistungssteigernder Substanzen. Wobei, isser ja schon gestorben, der Gute. Müssen sie einen anderen Gaul nehmen, aber das trauen sie sich nicht, wetten...?! Weil, Pferde sind doch süß...

Zurück