By the way - die Sportglosse (Nummer 79, 29. Mai 2013) in Kooperation mit der Wettzentrale

Der Regen schifft alles zu. Das ganze oberlehrerhafte Besserwissen um Wirtschaftsminister Rösler und die Gründertruppe im Silicon Valley, das einem wieder mal klar gemacht hat, dass wir Deutsche unsere Politiker auch beim Joggen nur im Anzug sehen wollen. Besser noch gar kein Sport, lieber fett bzw mit Unwucht unterwegs, das Trauma vom zuckenden Lafontaine auf der Tanzfläche einer Juso-Wahlpartie kommt gleich wieder hoch. Muss man den Ex-Gesundheitsminister nicht toll finden, schon gleich gar nicht, kann man ihn für unfähig, überfordert und alles mögliche halten – aber der Trip ins tolle Tal war sicher nicht halb so unsinnig wie geschätzte 90% der sonst so unternommenen Exkursionen deutscher Volksvertreter nebst Wirtschaftstross. Wäre er als Gabriel in Schlips und Kragen phrasendreschend durch die hippen Büros gewalzt, ein paar hätten sich drüber lustig gemacht, und allen anderen wäre es scheißegal gewesen. So wollen wir’s wohl, Wähler und Gewählte. Man fragt sich, ob die viel zitierte deutsche Gründerszene den Auftritt genauso unsäglich fand.

Zugeschifft, abgesoffen auch das kleingeistige Dauergeheule der Anhänger des börsennotierten CL-Finalisten mit dem 80.000 Mann Stadion darüber, dass die anderen reich und gemein und arrogant wären. Dass diese anderen jetzt auch noch den lieben Lewandowski wegkaufen, weglocken wollen, gegen seinen Willen quasi, wo er doch so gerne hier ist. Dass die bösen Polen-Berater, vom geschätzten Kollegen Udo Muras in der Welt ungefähr als Lolek und Bolek der Neuzeit bezeichnet, extra-fiese Möpp wären, die nur ans eigene Geldscheffeln denken. Nun, wer denkt nicht ans eigene Fortkommen? Sind Berater reine Gutmenschen, einzig dem Wohl der Anderen verpflichtet? Und warum pocht der BVB nicht einfach auf den in beiderseitigem Einvernehmen geschlossenen bestehenden Vertrag und lässt den Spieler in einem Jahr ablösefrei ziehen wohin er will?

Gnädig vom Dauerregen weggespült auch die Aufregung um Rummenigge Rummenigge what a mans 1,8 Promille Spruch, der Millionen von Menschen reflexhaft zur Empörung gereichte, dahingesagt im Rausch des Sieges im Finale der Champions League, die Promille bezogen auf den Moment der Party. Oh boy, für diese Radikalspießer hätte sich der Mann wohl erst für den Sieg entschuldigen und dann öffentlich entleiben müssen. Was direkt und mittenmang zum Uli Hoeneß führt, den sorgend zu begleiten seinen engen Freunden in den Wochen nach dem wahrscheinlichen Triple dringend angeraten sei.

Interessant trotz Regen: Die Redakteure des englischen Guardian, die einen der besten Liveticker überhaupt betreiben, halten Mats Hummels für den überschätztesten aller Innenverteidiger. Hat man Töne, hat man das schon irgendwo sonst gelesen? Ist aber egal, weil draußen schifft es ununterbrochen weiter. Dabei wäre ein Pokalfinale am Samstag in Berlin doch soviel schöner in einem sonnendurchfluteten Olympiastadion. Aber sonnendurchflutet gibt’s heuer nicht, der Sommer fällt ins Wasser, wetten...?!

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