By the way - die Sportglosse (Nummer 74, 17. April 2013) in Kooperation mit der Wettzentrale

Ein steilst aufgereckter Mittelfinger den Arschkrampen von Boston, die mit ihrer kranken Bomberei an der Ziellinie zwar leider viele Menschen unglücklich machen und weltweit Aufsehen erregen aber glücklicherweise nicht die erhoffte Global-Hysterie entfachen konnten. Mal abgesehen von einigen unschönen online Boulevard-Covern und Fake-Meldungen bei Facebook und Twitter. Wie allgemein, so gilt auch im Sozialnetz das Motto „Erst denken, dann weitersagen“. Ein Motto, das wohl auch die Mitglieder der französischen Regierung bei der vom Chefchen Hollande dekretierten Offenlegung ihrer Vermögen beherzigt haben. Wobei das Denken in diesem Fall eher als ein Runterrechnen daherkommt. Es lebe die kaviarlinke Sozialistische Partei Frankreichs, sie lebe hoch!

Bei uns allerdings auch nicht viel besser. Röschen von der Leier und die Kanzlerin im Brusthaarduell um die Frauenquote, die armen Abiturienten immer noch an der Erörterung von Kleist und Kafka und Konsorten, seither ist wohl nix mehr geschrieben worden von unseren Autoren. Zumindest nix, was den Kultus-Allgewaltigen eine Aufnahme in den Kanon wert wäre. Im Kultus wie auch überall sonst wird unser Leben eben nach wie vor von gänzlich lebensfremden Gestalten und Profilneurotikern gestaltet, die bereits seit dem Kindergartenalter von ihren Kollegen gehänselt werden. Kein Wunder, dass die Fußballstadien voll sind, da gibt’s wenigstens austrainierte reiche Männer im Wettkampf zu sehen, Männer, die im Gegensatz zu Politikern das Missionieren für eine Stellung beim Sex mit ihren häufig wechselnden und gut gebauten bzw mindestens zum Guten hin operierten Frauen und Freundinnen halten. Wenn sie es denn überhaupt kennen.

Eher als Fremdwörter lateinischen Ursprungs kennen die Herren Profis wahrscheinlich die Wettbörse Betfair, die sich unter Freunden der gepflegten Sportwette bekanntermaßen großer Beliebtheit erfreut, ja, eine echte Marke ist, ein Brand sozusagen, von dem die Deutschen unlängst schnödest ausgesperrt wurden wegen unklarer rechtlicher Aspekte, seit gefühlten 200 Jahren unklarer Rechtslage, verursacht durch gehänselte Lebensfremde, siehe oben... Und nun das: Betfair soll einem Formel 1-Konsortium einverleibt werden, für schlappe 800 Millionen Pfund. Großes Hallo in der Szene, Brand am Ende, sic transit gloria mundi und so – andererseits bitte die Kirche im Dorf lassen, denn das ganze Theater wird von Leuten außerhalb der Gaming und Gambling und Analysten Branche gar nicht wahrgenommen, eine Stadionbande bei Bayer Leverkusen fällt nämlich niemandem auf. Wird nach der Einverleibung wahrscheinlich anders aussehen, denn dann kriegen eine halbe Milliarde Menschen die Börse renntäglich im TV um die Ohren gehauen und vor den Latz geknallt. Das ist dann richtiger Media Impact, alle gleich hin und Back und Lay – falls das Produkt dann immer noch Spaß macht. Einverleibungen dieser Art tragen erfahrungsgemäß eher wenig zur Aufrechterhaltung der Qualität bei, und je mehr man darüber nachdenkt, desto unausweichlicher scheint der Niedergang dieser einstmals tollen Wettbörse quasi vorprogrammiert. Womit jetzt doch noch ein wenig betroffen rumgeheult und Theater gemacht sei. Eine Wette auf das Wohl und Wehe zu wagen erscheint jedoch noch ein bisschen früh – da soll der Text doch lieber mit dem gewaltig im Vormarsch befindlichen FC Bayern München beschlossen werden, der unbesiegbar scheint und dem doch mit einem Schlag alles zum Nichts wird, wenn er nicht die Champions League gewinnt. Aber dieses Jahr klappt das mit dem Triple für Don Jupp, wetten...?!

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