By the way - die Sportglosse (Nummer 73, 10. April 2013) in Kooperation mit der Wettzentrale

Schlecht geschlafen? Unbefriedigt? Profilneurose? Dann petzen Sie doch mal. Einfach Einen verpetzen, anschwärzen, verpfeifen. Wenn Sie beispielsweise Journalist sind, dann verpetzen Sie doch mal einen Reichen. Trifft immer richtig, denn alle Reichen sind böse. Haben alle Trusts und so Sachen, auf tollen Inseln liegen ihre Superyachten. Und wenn Sie sich nicht so richtig trauen, dann verpetzen Sie halt einen Toten. Vor dem brauchen Sie garantiert keine Angst zu haben. Oder Sie melden einen blaumachenden Hartz 4-Empfänger. Was macht der versoffene Asi Freitags zu Hause? Wochenende verlängern? Geht gar nicht, gleich bei der Bundesagentur für Arbeit anrufen und melden. Aber Vorsicht: Wenn Sie befürchten müssen, dass der Penner wirklich krank ist, dann halten Sie lieber den Mund. Denn angeblich sollen krankmachende Hartzer jetzt von Ärzten des Gesundheitsdienstes auch zu Hause besucht werden zwecks Überprüfung. Einem wirklich Kranken würden Sie also mit Ihrer Meldung sogar noch was Gutes tun, der müsste sich dann nicht, krank wie er ist, zum Arzt schleppen sondern könnte einfach liegen bleiben und warten, bis der Arzt zu ihm kommt. Und das wollen Sie ja wohl gleich dreimal nicht, jemandem etwas Gutes tun. Das wäre ja noch schöner, wo kämen wir da hin...?

Petzen hat derzeit Hochkonjunktur. Passt gut rein in das undurchschaubare Szenario von EURO-Raum und Bankenrettung, staatlichen Bauvorhaben und anderen Plänen, die von irgendwem (Juncker? Schäuble? Goldman Sachs?) betrieben werden, und von denen irgendwer ganz brutal profitiert. Da durchzusteigen ist kaum möglich, aber für Verschwörungstheorien ist völlig zu Recht viel Raum. So sind sie halt, die Menschen, immer der Eine dem Einen ein Wolf. Und vornedran schreit Steinbrück rum und macht den Westentaschen-Volkstribun. Leider kommt die nächste Wahl so sicher wie das Amen in der Kirche. Und immer schwerer fällt einem die Ausübung des Bürgerrechts, der Bürgerpflicht. Denn die Entscheidung für das geringste Übel könnte man mittlerweile auch einem Schimpansen überlassen...

Ein wahres Schlaraffenland für Petzen ist ja bekanntlich die Formel 1. Da wird schon seit Jahrzehnten gepetzt wie Hecht. Was hat der da am Spoiler, darf der das? Sofort mal vorsorglich bei der Rennleitung petzen. Und gewinnen tut seit gefühlten 40 Jahren immer ein Deutscher. Ein eigentlich sehr unsympathischer Deutscher, den die anderen Fahrer fast alle doof finden. Der weder Freund noch Teammate kennt, wenn es um den Sieg geht. Und dem wir trotzdem die Daumen drücken, jedesmal. Egal ob er Schumi heißt oder Vettel. God knows why...

Und nichts gegen Dortmund, gegönnt sei ihnen der Wahnsinns-Sieg in allerletzter Minute, an den sich alle Beteiligten sicher noch lange erinnern werden. Aber wenn dem Schiri im gestrigen Champions League Halbfinale BVB vs Malaga kurz vor Schluss irgendwer das doppelte Abseits gepetzt hätte, dann wäre uns auch das unselige deutsch-deutsche Duell erspart geblieben, das am Freitag bei der Halbfinal-Auslosung gezogen wird, wetten...?!

Zurück