By the way - die Sportglosse (Nummer 72, 27. März 2013) in Kooperation mit der Wettzentrale

Eigentlich war Mode angesagt, die neuen Männeranzüge mit eng geschnittenen Hochwasserhosen. So kurz die Dinger, wie nicht einmal der langsam in Vergessenheit geratende Michel Friedman sie zu tragen sich traute. Dann aber abgelenkt worden von Jerry Seinfeld und der Frage, wie man Wassermelonen züchtet im Zeitalter der Kernlosigkeit. Und dann auch noch Söder! Nicht erst seit seiner bayr. Finanzministerwerdung als Hartbandage im Stile US-amerikanischer Skrupellos-Wahlkämpfer bekannt, hätte man ihm den Ausspruch „Seit neun Uhr wird (jetzt) zurückgeklagt“ durchaus zugetraut, vielleicht auch und gerade deshalb, weil er im Gegensatz zum gewaltigen Allzeitoberbayer Strauß nicht rund um die Uhr betrunken ist. Aber gesagt hat er’s nicht. Die Klammer und das zurück hat er weg gelassen, wohl wissend, dass ihn und seine gesamte Politkarriere sonst die ganz große Nazikeule neun Klafter tief in den Erdboden geschossen und getrieben hätte. Die SPD-Jugend hat ihr Stöckchen trotzdem rausgeholt und muss sich jetzt in Bayern der Affigkeit zeihen lassen, Söders Absicht das gewesen ist? Perfide Taktik, chapeau, aber ob er um gar so viele Ecken wirklich herumdenkt, überhaupt denkt? Schreit ja auch nach dem Garaus für Steuerdumpingoasen wie Zypern und fordert gleichzeitig das Selbstbestimmungsrecht für Bundesländer, sein Bundesland, in Sachen Einkommen- und Erbschaftsteuer etc., verborgen vom Mäntelchen der Klage gegen den Länderfinanzausgleich. Bayern als bessere Steuerdumpingoase quasi, die TAZ hat’s bemerkt, den Bayern sei’s gegönnt, aber interessieren scheinen diese Widersprüchlichkeiten die Leute nicht. Genausowenig wie die Tatsache, dass die Hypo Real Estate für 100 Mrd gerettet wird, und bei zehn für Zypern (klingt nach Slogan) schreien alle, als ginge es ans Eingemachte.

Noch weniger interessiert die Menschen auch das allwöchentliche Rumgeheule des Trainers des VfB Stuttgart wegen seines auf drei Hochzeiten tanzenden kleinen Kaders, weswegen an dieser Stelle fortan gebetsmühlenartig darauf hingewiesen sei, dass der ebenfalls auf drei, wenn nicht auf noch mehr Hochzeiten sich geradezu abhottende FC Bayern München weit weniger Spieler eingesetzt hat im bisherigen Saisonverlauf. Ein großes Hinwegfegen und Hinweggefegtwerden möge mit der auf den 22. Juli terminierten Mitgliederversammlung einhergehen, den Weg für sinnvolles Vereinsführen und Punktesammeln frei zu machen bzw zu fegen.

Und Zypern, was soll man sagen? Enteignungsmaßnahmen dieser Größenordnung hatten wohl nicht viele erwartet – umso bestürzender jetzt die Erkenntnis, dass andere Länder genauso verfahren bzw mit ihnen verfahren werden wird. Dass die Banken zwischenzeitlich einen überparteilichen, neutralen Charakter sich erarbeiten konnten ändert halt auch nichts an der Tatsache, dass das Firmen sind, und der Sparer ist ihr Gläubiger. Und wenn die Firma Scheiße baut, dann geht der Gläubiger häufig leer aus. Außer natürlich derjenige, dem der Kumpel in der Bank das vorab gesteckt hat. Dass sie es nicht gleich so gemacht haben sondern erstmal alle Kleinanleger öffentlich mit einbeziehen wollten, das spricht für ihre mit kompletter Schmerzfreiheit (so lange es nicht ums eigene Wohl geht) Hand in Hand gehende Brunzdummheit. Fast ertappt man sich beim Hoffen darauf, dass sie in Zypern alles anzünden und stürmen und plündern und sich gegenseitig massakrieren, damit die anderen Länder sehen, was ihnen blüht. Hülfe allerdings auch nix, würde zumal schon wieder die Falschen treffen. Und in Luxemburg freuen sie sich über einen Konkurrenten weniger, wetten...?!

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