By the way - die Sportglosse (Nummer 71, 20. März 2013) in Kooperation mit der Wettzentrale

Träumen tun wir schon lange davon, so mirnichtsdirnichts das Guthaben der Leute auf den Banken zu beschlagnahmen. Nur getraut haben wir’s uns nicht – bis letzte Woche. Da waren die zypriotischen Zahlen immer röter geworden, und alle wussten doch, dass die Bankkonten dort fast platzen vor lauter Russengeld. Und plötzlich war alles ganz einfach: Kleines Land, kleiner Markt, wie beim Testeinführen eines neuen Produkts. Überschaubares Risiko, wenn’s schief geht usw. Haben wir’s einfach mal beschlossen, sind ja auch nur ein paar Prozent. Sogar die Merkel hat ja gleich dann auch öffentlich gesagt, es träfe schon die Schuldigen, also Rechtfertigung vollrohr. Haben’s dann auch gleich allen gesagt. Gedacht haben wir eigentlich gar nix dabei. Dass die gleich nach Ausnahmeregelungen schreien, die Armen und auch die Reichen, die Cousine des Ministers hat schließlich MS und braucht das Geld. Dass die Russen ihre Kohle schon längst abgezogen haben, weil natürlich hat denen das jemand gesteckt. Dass die Leute in ganz Europa jetzt lieber ihr Geld von der Bank holen, mit allen Folgen, und dass es nicht mehr lange dauern wird, bis sie das auch mit Gewalt versuchen werden. Dass jetzt auch der allergrößte Optimist und EU-Fan einen Scheiß drauf gibt, was wir erzählen. Und das alles, obwohl wir’s jetzt vielleicht doch nicht durchziehen. Hui, wir EU-Finanzminister und Gefolge, wir sind, wie’s der große Henscheid zu sagen pflegt, wahrscheinlich doch mit die absonderlichsten Ideen Gottes in der Geschichte.

Die Welt ist schon ziemlich oft ziemlich doof, da gilt es, sich an die alte Lateinermaxime der „Magnitudo Animi“ zu halten, des heiteren Darüberstehens. Und wohl dem, prosit dem, der das kann. Wer’s nicht kann, der kann ja üben, zB für den Anfang mal mit drei Sekunden Mediencheck, der folgendes ergibt: die geplante Rückkehr eines ca. 274-jährigen Schnauzers als Kommissar Schimanski, eine Studie, die besagt, Elektrogeräte gingen absichtlich kaputt, und die Schleckers haben doch noch ganz viel Geld. Aha, keine Überraschung, drauf gepfiffen und überhaupt egal, wo doch der Tiger jetzt mit Lindsey Vonn zusammen ist. Der alte Lüstling, nicht mal vor Sex mit Versehrten macht der halt. Oder Halt?

Wenn es allerdings um Fußball geht, dann ist, natürlich, Schluss mit Magnitudo dingens. Wenn die Herzenstruppe nun schon bald im dritten Jahr so spielt, als träfe sie sich einmal in der Woche zum Kicken und hätte dazu gar keine Lust, wenn trotzdem der ehemalige Fettsteiß als Perspektivtrainer verlängert wird vom schulterlosen Manager, und hintendran ein mucksmäuschenstiller Mäuser sitzt, währenddessen die Lage immer trostloser wird und nicht mal Armin Veh mehr kommen wollte, fragte man ihn denn. Und trotzdem rennt man 14-tägig ins Stadion, selbst zu leiden und andere leiden zu sehen. Sadomasochismus in Reinform, kein Ende in Sicht, kein Latein kann helfen. Summen wir also leise eine tibetanische Gebetsmühle, tausendmal, und bereiten uns auf die nach verlorenem Pokalhalbfinale und erfolgreichem Klassenerhalt vereinsseitig und vollmundig ausgegebene Maxime vor, es gehe jetzt in eine weitere Übergangssaison. Und dass kein Geld für irgendwas da wäre, das sagen sie dann auch, wetten...?!

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