By the way - die Sportglosse (Nummer 66, 23. Januar 2013) in Kooperation mit der Wettzentrale

Doping ist überall. Beim Sport, bei der Arbeit, beim Sex, es gibt, „in der Tat“, sogar Doping für die Haare. Alle schmeißen schon immer ein was geht, um besser zu werden, um schöner zu werden, um schneller wieder gesund und topfit zu werden. Sogar die Pferde werden gedopt, und auch der neue Bayern-Trainer weiß genau, was EPO ist. Viele lassen sich’s verschreiben, andere kaufen online oder von Bekannten. Und während der Normalo sich einen Scheiß um irgendwelche Dopingproben scheren muss, ist das beim Spitzensport halt inzwischen anders. Und beim Radrennsport ganz besonders anders. Denn auf den hat sich die öffentliche Meinung eingeschossen. Vor allem in Deutschland, vor allem seit Jan Ullrich. Und seit Armstrong ist das Ganze von einer eher deutschen zu einer echt globalen Aufgeregtheit geworden, zu der sich vom Sportler über den Politiker bis zum allerletzten Funktionärsheini jeder hübsch betroffen äußern kann. Sich überrascht über das Ausmaß dieses Sumpfes geben kann.

Schnurstracks zur Hölle mit all den bigotten Profilneurotikern! Als ob es auch nur im Ansatz überraschend wäre, dass man 3.000 km mit durchschnittlich Tempo 30-40 und die steilsten Berge rauf radeln kann ohne Hilfsmittel. Als ob nicht haufenweise Radprofis Atteste hatten und haben wegen Asthma. Asthma! Und dann Radprofi werden! Natürlich gibt’s auch andere Krankheiten, und beim Armstrong ist es so ein bisschen ein Sonderfall. Der hat natürlich gleich mal Krebs gehabt, da sind die härtesten Medikamente nötig. Anders war es aber vor allem deshalb, weil er andere verklagt und bedroht hat, wenn sie nicht spuren wollten. Haben soll, muss man wohl sagen, will man nicht verklagt werden. Was die Radprofis von anderen Ausdauermeistern, Biathleten, Langläufern, Leichtathleten and you name it unterscheidet, das weiß der Himmel. Die bringen alle dauernd Leistungen, die über das Normalmaß weit hinausgehen. Und geschluckt und gespritzt wird schon immer, nicht vergessen. Tom Simpson 1967, die Diskussion um Deutschland bei der WM 1954, es gibt haufenweise Fälle, belegt und unbelegt. Und das ganze Schlamassel zur allseitigen Zufriedenheit zu lösen ist eigentlich unmöglich, zu viel Geld, zu viel TV. Falls das überhaupt ein Schlamassel ist, weil, früher hat’s ja auch keinen interessiert, ob wer was nimmt oder nicht. Das Ganze im Rahmen halten, ok. Dopingliste, Blutpass und unangekündigte Kontrolle, Verlust der Medaillen und Sponsorenverträge, mehr geht wohl kaum, ist auch nicht nötig. Was aber auf gar keinen Fall geht sind die Betroffenheitsprofis mit ihrem Geheul von der Entzauberung, der Desillusion. Und dann den ganzen Winter von Donnerstag bis Sonntag Biathlon zeigen.

Vielleicht ruft gleich wieder ein Anwalt an, um zu drohen wegen irgendwas, darf man nicht sagen, darf man nicht schreiben. Wollte mich ohnehin über ganz andere Sachen aufregen, darüber, dass bei Temperaturen knapp ÜBER dem Gefrierpunkt alle Straßenbahnen einer sich Metropolregion schimpfenden Drei-Städte-Pampa gleich mal komplett für 24 Stunden ausfallen. Oder darüber, dass alle jetzt wieder zum megadicken Dotcom rennen, als ob der ein Heilsbringer wäre, obwohl er eine stattlliche und beinahe nahtlose Kette an Betrügereien im CV hat, wegen derer man ihm eigentlich, wie irgendwo geschrieben stand, nicht mal seinen Müll anvertrauen sollte. Aber bekanntlich scheißt der Teufel eben auf den dicksten Haufen, und Kim S. wird wieder gut verdienen, bevor es auch mit Mega ein böses Ende nimmt, wetten...?!

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