By the way - die Sportglosse (Nummer 63, 12. Dezember 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Ultra-Deutschland schaut heute Mittag gebannt nach Frankfurt, wo die DFL darüber entscheiden wird, wie fortan mit den eingefleischtesten der Fußballfans zu verfahren ist. „Nacktzelte“ stehen im Raum bzw sollen vor den Stadiontoren stehen, Auswärtskartenkontingente sollen gesperrt werden, und einige weitere Maßnahmen zur Disziplinierung der in Generalverdacht genommenen Stehplatz-Klientel werden wohl beschlossen. Ein Blick an den Bosporus würde helfen, die Verhältnismäßigkeiten ein wenig prominenter im Kopf zu haben: In der Türkei nämlich, da kam es zuletzt sogar zu Ausschreitungen beim Rollstuhl-Basketball, wo im Gegensatz zum Fußball auch die Galatasaray-Fans zu Auswärtsspielen bei Besiktas oder Fener mit dürfen. Unsere Ultras sind nicht das Maß aller Dinge, aber nicht zuletzt zahlt auch der Logenbesitzer das viele Geld wegen der Atmosphäre im Stadion, nicht nur wegen der 22 aufm Platz. Nicht vergessen, das!

In England dagegen haben sie in Abwehrturm Rio Ferdinand einen Dauerkunden für das Thema „Rassistische Beleidigungen“. Nun hatte man den ManUnited-Star vorwiegend als einen auf der Rechnung, der andere als Neger beschimpft – und plötzlich wird der selbst als ein solcher bezeichnet und mit Münzen beworfen. Erkenntnisgewinn durch Wikipedia-Recherche: Auch Rio Ferdinand, der mir bislang eher als Weißer durchging, wenn auch dafür mit ein bisschen verdächtigem Teint und Haaren, hat einen 50 prozentigen Migrationshintergrund und wird deswegen gerade ebenfalls „racially abused“ von teiggesichtigen weißen Halbaffen und, oha, ihren dunkelhäutigeren, was soll man sagen, Cousins? Und Ballotelli, eines der beliebtesten Opfer diskriminierender Häme weltweit, der muss mal eben nach London und heuert dazu einfach einen Taxifahrer an, der aus Manchester vorausfährt, auf dass Mario ihm in seinem eigenen Phantasie-Auto hinterherfahren kann. Sehr clever, wenn man an die zögernden Fahrer denkt, die auf das Navi starrend nach vorne gebeugt mitten im Kreisverkehr stehen bleiben, weil sie die Anweisungen nicht raffen.

Andere Prominente nicht-weißer Hautfarbe sterben leider, oder zumindest scheint ihr Tod kurz bevor zu stehen. So ist der indische Held und Sitar-Star Ravi Shankar gestern gestorben – wer ihn nicht kennt, der möge sich bitte mal irgendeine Doku über den Mann reinziehen, sehr besonders. Und Nelson Mandela, vielleicht der bekannteste lebende Mensch schwarzer Hautfarbe, liegt mit heftiger Lungenentzündung im Spital, so dass auch hier ein baldiger Abschied zu befürchten ist. Das wäre ein ganz Großer weniger auf der Welt – und wie ein Damoklesschwert hängen die dann drohenden Benefizkonzerte alternder Musikgrößen mit Profilneurose über unseren Köpfen, die für Madiba den Blues spielen würden, ganz nach dem Motto der legendären Simpsons-Folge, in der es heißt: „Der Blues ist nicht dazu da, dass es Dir besser geht sondern dafür, dass es den anderen schlechter geht.“ Die anderen, das wären dann wohl wir...

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