By the way - die Sportglosse (Nummer 62, 5. Dezember 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Felix Neureuther ist der Mehmet Scholl des alpinen Skisports. Er ist mit allerhöchstem Talent gesegnet, hat einen Schlag bei den Frauen und immer mal einen halbwegs lockeren Spruch drauf, und der ganz große Welterfolg ist ihm bisher noch nicht gelungen. Das ist schade, denn der Skisport in Deutschland bräuchte dringend mal wieder eine Lichtgestalt wie Wasi einst, oder Katja Seizinger mindestens. Weil er das aber nicht hat, müssen Para-Lichtgestalten wie Maria Höfl-Riesch trotz jahrelangen gewaltigen Titel-Anhäufens im zarten Alter von 28 Jahren Lebensberichte in Buchform rausbringen mit Einsichten und Ansichten aus dem Inneren ihres Sports. Und alle anderen Aktiven müssen sich dann wegducken vor der Medienmeute, die wissen will, wie man denn das Buch finde. Wer das diplomatisch löst, der sagt dann, er habe „noch gar keine Zeit gehabt“, und wer Felix Neureuther ist, der duckt sich in bester Scholl-Manier mitnichten weg, sondern gibt freudig strahlend zu Protokoll, nicht mal seine Mama habe ein solches Buch geschrieben – und die sei nicht 28 sondern 62 und habe gewiss mehr erlebt als Maria Höfl-Riesch. Natürlich gibt es auch noch weitaus undiplomatischere Kommentare zum Buch, im Internet, da wo der „Netzhass gratis ist“, wie der irgendwie digitale Experte Sascha Lobo meint. Einer fürchtet da sogar, wegen der Photos in diesem Buch werde die Geburtenrate sinken, omg. Und dass nur, weil die Maria sich offenbar in Marilyn-Pose hat ablichten lassen. Aber genug jetzt, schließlich ist Ski nur eine Randsportart.

Dann gibt es da noch diese Projekte, bei denen wissen wirklich Alle Alle Alle lange vorher, dass das so nicht klappen kann. Aber der erlauchte Zirkel der Entscheider entscheidet dann, es trotzdem so zu machen. War on Drugs in den USA, Desert Storm ff. im Irak uswusw, bis hin zu Stuttgart 21. Da tönt jetzt große Empörung und fein geheuchelte Überraschung hervor, weil das Ganze teurer wird als geplant. Als ob das irgendjemand hätte ahnen können, das konnte ja nun beim besten Willen niemand wissen. Bemerkenswert ist in Stuttgart, dass mittlerweile sogar die Güterwaggons der Bahn protestierend mitmischen, ja sich sogar im Bahnhof Kornwestheim selbst befreien wie Harry Houdini zu seinen besten Zeiten, um dann vollrohr den Bahnhof Feuerbach plattzumachen. Dabei wird aller Protest und werden alle begründeten Gegenargumente letztlich nichts nützen, denn der Bundesverkehrsminister wird das Ding durchziehen müssen. Zuviele Zusagen hat er bereits gemacht bei genau den Leuten, die ihm nach seiner politischen Karriere einen lukrativen Posten verschaffen werden.

Politiker- und Funktionärsbashing ist halt einfach zu leicht und naheliegend und verlockend, als dass man’s unterlassen könnte. Der Antrag zur letzten Griechen-Hilfe im Bundestag zum Beispiel: Dienstags ausgeteilt, acht Seiten Antrag, 480 Seiten Anhänge. Beschluss zwei Tage später. Selbst wenn das Einer lesen könnte, verstehen könnte er’s nicht. Aber beschließen, das kann er. Bash Bash Bash. Schnell nochmal ein paar Milliarden rein, bevor dann alle Schulden erlassen werden, wetten...?!

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