By the way - die Sportglosse (Nummer 56, 24. Oktober 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Die Kleinen verlieren immer – selbst im Dopingfall Lance Armstrong. Während die Medien über zurückzuzahlende Prämien und Sponsorengelder mutmaßen, denkt mal wieder niemand an die über 70 Millionen Menschen, die seit 2004 ein gelbes Livestrong-Armbändchen gekauft haben. Die Armen müssen sich das Bändchen mit dem nie verbleichenden Gelb jetzt abschneiden, oder was?

Dass Armstrong gedopt hat, war eigentlich schon immer klar. Schließlich hat er den Krebs besiegt mit zahllosen Medikamenten, die im Dopingpass eingetragen waren. Alle anderen Top-Radprofis hatten und haben seit frühester Kindheit schweres Asthma und müssen deshalb schwere Geschütze schlucken, war schon immer so, wurde selbst in dieser unbedeutenden Glosse, damals noch für österreichische Medien, bereits 2001 und 2002 jeweils zu Tour-Zeiten geschrieben. Rumsas hieß einer, Tourdritter, der sagte, die Säcke voll Pillen seien für seine kranke Großmutter irgendwo im Baltikum, hallo! Die deutsche Radikone Rudi Altig, der fuhr vor gefühlten 150 Jahren – den nannten sie damals schon die „rollende Apotheke“. Alle gedopt, wer was anderes behauptet hat, der hat gelogen, und trotzdem waren die Radprofis allesamt Top-Sportler, sind es bis heute, trotz Doping, muss man auch mal sagen.

Und: Man stelle sich mal vor, man sei vor zehn Jahren betrunken Auto gefahren, habe blasen müssen, und das Gerät habe nix angezeigt. Und dann kommt heute einer, der sagt, man könne jetzt nachweisen, dass das Gerät damals defekt war und man 1,6 Promille gehabt hätte. Lappen weg, Geldstrafe, MPU womöglich. Da wäre was los...

Und als der Ulle, der die ganze Scheiße ja schon hinter sich hat, als der also 2003 auf Lance wartet, denn Lance war gestürzt, sind wir mal ehrlich: Verflucht haben wir den Ulle damals, was wartet der, übertriebene Fairness ist hier fehl am Platze. Kein Mitleid mit Lance, wir hatten ja sowas von Recht!

Und wer kriegt jetzt die Toursiege? Den letzten holte Lance 2005, schaun wir doch da mal, hat auch ein Englischsprecher als Kommentar zu einer Reuters-Meldung gemacht, ein Dankeschön an dieser Stelle nach London: Also, Zweiter war damals Ivan Basso, gesperrt wegen Dopings 2006. Dritter war unser Ulle, dem haben sie diesen dritten Platz ja schon weggenommen. Also zum Vierten, heißt der Sieger halt Mancebo, aber huch, geht auch nicht, erwischt 2006. Fünfter damals Winokurov, der Wino, ganz schlimmer Finger, sogar schon mehrmals erwischt. Levi Leipheimer war auf Platz Sechs, geht auch nicht, steckt mitten im selben Skandal wie Lance. Also muss der Sieg an Platz Sieben gehen, Rasmussen, oha, erwischt 2007. Nun denn, Platz Acht im Jahre 2005 für Cadel Evans, keine Erwischung bekannt, also hat Cadel schon vor seinem Sieg 2011 die Tour gewonnen, how great is that? Hoffen wir, dass Evans auch weiterhin sauber bleibt bzw. ihm nichts nachgewiesen wird. Denn der Nächstplatzierte damals war Floyd Landis, Toursieg 2006 bereits aberkannt, und dann kommen noch fünf weitere Fahrer mit Dopinggeschichte. Sieht so aus, als hätten wir gar keine sauberen Radprofis mehr – aber Empörung wird sicher auch in Zukunft bei jedem neuen Fall geheuchelt, wetten?!

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