By the way - die Sportglosse (Nummer 55, 17. Oktober 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Heute mal gleich Direkteinstieg mit einem Zitat, und zwar von Handballtorwartlegende Andres Thiel, der sagt: „Es gibt Termine, bei denen man einfach aufzuschlagen hat.“ Mit „Termine“ meint der Ex-Hexer die Beisetzung und Trauerfeier für Erhard Wunderlich, der ja nun nicht irgendein Durchschnittshandballer gewesen ist sondern ein ganz Besonderer, ein Weltmeister und Welthandballer. Dass sich auf der Beisetzung des besten deutschen Rückraumspielers aller Zeiten nicht ein einziger DHB-Funktionär von Rang blicken ließ, das geht einfach gar nicht, da hat der Ex-Hexer vollkommen Recht. Ein allgemeines Verbandsgranden-Bashing soll hier zwar nicht stattfinden – aber dass in den deutschen Sportverbänden einiges im Argen liegt, dass viele Funktionäre ein Sonnenkönigtum pflegen und beträchtliche Defizite in Sachen Anstand und Moral aufweisen, das kann man wohl mal stark vermuten. Mal schauen, wie lange es dauert, bis der erste Verbandsjurist mit Sanktionen wegen derlei Äußerungen droht. ...

Ganz anders Felix Baumgartner – für den war Aufschlagen keine Option, vielmehr ging es um sanftes Aufsetzen trotz schwerer Rüstung, was ihm glücklicherweise auch ganz hervorragend gelungen ist. Bei diesem globalen Ereignis stimmte einfach alles – also nicht nur die optimale Planung und Inszenierung durch das Red Bull-finanzierte Team, sondern auch die Persönlichkeit des Hauptdarstellers. Ganz viele Infos, super Bilder, stabile Server, und der Felix mittendrin. Beim dramatischen Rotieren und dem guten Ende des Falls kriegten viele Zuschaueraugen Tearing (thanks für diesen Sager nach München...), und das, was anno 1969 die Mondlandung war, heißt heute wohl Stratos. Mondlandung 2.0, quasi, wenn auch die obligatorischen Gutmenschen nicht fehlen durften, die in gewohnter Ignoranz der Unsummen an Mateschitz’schen Charity-Projekten reflexhaft anregten, das ganze Geld lieber für Schulen zu spenden.

Bemerkenswert auch mal wieder der Heidelberger Dopingjäger Prof. Werner Franke, den das ZDF clevererweise zum quotenstarken Interview in Sachen Armstrong vernahm. Franke nahm den Ball elegant auf und verarbeitete ihn mit einem schnörkellosen Traumpass weiter, als er auf die Perversion hinwies, dass das ZDF sich zwar weltweit als Antidoping-Moralapostel gebärde, seine Predigten aber u.A. von der immer noch beeindruckend breitkreuzigen Kristin Otto verlesen lasse. Da hat er sicher auch gleich Mails von der Rechtsabteilung bekommen...

Und gestern dann das 4:0, aus dem ein 4:4 wurde. Dieselben Leute, die in Minute 60 „Oh wie ist das schön“ sangen, die haben in Minute 90 laut gepfiffen. So schnell kann’s gehen, und Mitleid mit den Akteuren ist Fehl am Platze, verdienen zu viel, gehört bei denen einfach dazu, das Gewitter. Aber auch hier wieder nerviges, reflexhaftes „Löw muss weg“-Gerufe, ganz vergessen das Geholze unter Ribbeck und Völler. Leute, lasst’s Euch sagen: In Brasilien 2014, da sind wir dabei, da werden wir nicht wieder Dritter. Da schaffen wir die Gruppe, und dann scheiden wir im Viertelfinale aus, wetten?

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