By the way - die Sportglosse (Nummer 54, 10. Oktober 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

In diesen Tagen der Politikverdrossenheit und des Argwohns gegenüber unseren gewählten Volksvertretern lautet die oberste Maxime natürlich, Politikern jedweder Couleur immer erstmal zu misstrauen. Die Opportunismus- und Intrigenrate in dieser Berufsgruppe kann schon lange mit den offiziellen Wahlergebnissen kubanischer Dauerrevolutionäre oder nordkoreanischer Diktatoren locker mithalten. Dass allerdings die Reichen jetzt übertriebene Angst vor Herrn Steinbrück artikulieren, das ist ein bisschen übertrieben. Denn als Reicher braucht man vor dem Would Be-Aussender deutscher Kavallerien ins eidgenössische Nachbarland sicher auch nicht mehr Schiss zu haben als vor dem biestigen Dr. Schäuble. Zu established ist Steinbrück, der ja im Übrigen maßgeblich an der Rettung maroder Banken beteiligt war, Hypo Real Estate und so. Das wahlkampftaktische populistische Getöse von der Bankenzerschlagung etc. ist also auch nicht bedrohlicher als viele ähnliche Pläne, die in Brüssel immer wieder ausgebrütet werden. Und dass die horrenden Schulden aller Staaten auf Kosten der Bürger derselben abgetragen werden, ist auch schon lange kein Geheimnis mehr – wer’s verhindern will, der revolutioniere bitte. Vielleicht unter dem Anführer Uli Hoeneß, dessen Politikkarriere nach einigen lauten Interviews fortan mehr im Verborgenen klar gemacht wird. Könnte zumindest für die Bayern das werden, was Kurt Beck den Pfälzern war – brauchtumpflegende Identifikationsfigur mit zorniger slash rotgesoffener Birne, gerne auch mal dem Wähler übers Maul fahrend. Wobei: Nicht schlimm das, Maul halten und so, kann man schon mal machen. Wenn man’s nur immer wäre, so graderaus, dann wäre vieles besser.

Maulen kann sogar der bislang nicht durch übertriebene Geradlinigkeit aufgefallene Bruno Labbadia, Stuttgarter Problembär vor dem Herrn, wenn auch mit starker weinerlicher Note. Alle sind gemein zu ihm, dabei fragt man sich, ob es nicht auch mit dem Trainer zu tun hat, wenn die Mannschaft seit Monaten ohne jedes System spielt, alle langsamer und unfitter sind als die Gegner, und selbst die Spieler mit guten Anlagen wie Molinaro, Sakai oder Kuzmanovic sich eigentlich beständig verschlechtern. Seelenlose, kampflose, und ums mit des Problembären Worten zu sagen „arschlose“ Auftritte vergraulen die Zuschauer, bald kommt man sich vor wie in Hoffenheim, wo selbst der Junior nicht mehr unbedingt hingehen mag, der geht jetzt lieber zum Handball, Rhein Neckar Löwen, da ist mehr geboten. Nicht, dass etwas dagegen zu sagen wäre, Handball, volle Suppe, Voltaren rein und los, aber trotzdem bemerkenswert, schon in so jungen Jahren dem Stadionbesuch nicht mehr total entgegenzufiebern. Ob’s anders ist, wenn man zum FC Bayern kann oder im Pott wohnt oder im richtigen Viertel von Buenos Aires?

Wo gibt’s noch echten Spaß, denkt man sich, da kommt die Karte für’s Seeed-Konzert gerade recht. Doch ach, seit Neuestem werden selbst die in jedem Feuilleton besprochen, oder Deichkind auch, theoretisierend, philosophierend, reiner Spaß kann doch nicht sein, wo ist das Fundament, was ist die Message? Kann man bald auch nicht mehr hingehen, wetten?!

Zurück