By the way - die Sportglosse (Nummer 50, 5. September 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Drei Wochen ohne Mails, Facebook und Medien, das hat was. Gelegentliche Entzugserscheinungen verursachen Spekulationen darüber, was alles passiert in der Welt, ohne dass man’s mitbekommt. Geht aber schnell wieder weg, und die Kopfleerung und Erdung können in aller Ruhe weiterlaufen. Sehr erholsam!

Das Wiedereintauchen in die bunten und großen und kleinen Schlagzeilen hätte dann zwar etwas angenehmer daherkommen können als in Gestalt eines 1:6 des bevorzugten Vereins beim FC Bayern, aber was soll’s. Passt eigentlich doch ganz gut ins allgemeine Bild – alles wie gehabt, kein Grund zur Aufregung. Den Euro gibt’s immer noch, die Bürgerkriege laufen ganz normal weiter, jeweils begleitet von den gleichen saublöden Phrasen der Politiker weltweit. Mächtige Lobby versucht die andere Seite zu diskreditieren – einmal mehr wird Bio angepinkelt, obwohl es sich da nur um eine Meta-Studie handelt, also Leute werten alte Studien anderer Leute aus. Trotzdem natürlich reflexhafte Reaktiv-Statements der Bio-Jünger.

Auch in der Fußball-Bundesliga ähneln die Headlines zum Saisonstart denen der vergangenen Jahre. Der FC Bayern verkündet den Kauf eines weiteren Megastars, der jedoch tatsächlich den Experten als begabter Spieler bekannt, ansonsten aber vom Status eines Megastars meilenweit entfernt ist. Dafür ist er gnadenlos überteuert, was heutzutage wohl der Hauptgrund dafür ist, einen als Megastar zu bezeichnen. Man erinnert sich an Ruggiero Rizzitelli, den italienischen Megastar, der erste echte italienische Superspieler, der in die Bundesliga geholt werden konnte. 200 Kilometer weiter nördlich geht der VfB Stuttgart in die Übergangssaison nach der Übergangssaison und muss erneut aufpassen, nicht mit dem völlig sinnfrei einkaufenden Projekt Hoffenheim demnächst in Sandhausen antreten zu müssen. Und ganz oben lässt der Scheinriese HSV sich von einem kurzbeinigen Holländer zum zweiten Mal in wenigen Jahren über den Tisch ziehen, bloß weil dessen Alte in London kein Schwein interessiert, bei RTL aber schon. Sylvie van der Vaart, quasi der Chris de Burgh unter den Partymiezen/Spielerfrauen. Grenzenlose Freude, sie ist wieder da.

50 Texte dieser Art geschrieben seit Wiederaufnahme im Juli 2011 – und kein Grund weit und breit, sich aufzuregen. Entspanntes Wiederhineingleiten in den heimischen Alltag. Schließlich sind wir nicht Christian Grey, 27-jähriger Millionär und CEO of Grey Enterprises. Der muss Frauen hauen, um sich zu entspannen in dem ganzen Wust wichtiger Begebenheiten. Und also soll am Ende nichts anderes stehen als die Erkenntnis der vergangenen schönen Wochen: Schweden können keine Würstchen, dafür wissen sie sehr gut, wie man aus Holzabfällen populäre Fleischbällchen macht.

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