By the way - die Sportglosse (Nummer 49, 01. August 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Martialische Wortwahl derzeit in Sachen Euro: Mit voller Feuerkraft soll ein unbegrenzter ESM die Krise wegblasen, mit der Bazooka geht es gegen die Schulden. Als Laie fragt man sich, wie das denn rechtlich überhaupt möglich ist, dass irgendeine europäische Institution den Mitgliedsländern das Geld in beliebiger Wahnsinnshöhe einfach so aus der Tasche ziehen darf. Wenn auch nur ein Bundeswehrsoldat die Grenze zu Afghanistan überschreitet, wo sich durchgeknallte Vollbärte gegenseitig die Hälse und ihren Frauen die Nasen abschneiden, dann muss der Bundestag darüber monatelang debattieren und beschließen. Wenn aber fragwürdige europäische Rettungsinstrumente mit den Lizenzen eines Doppelnullagenten Ihrer Majestät ausgestattet werden sollen, dann verschanzen sich unsere Politiker hinter theoretischem Herumlabern. Keiner sagt, dass hier gegen Recht verstoßen würde. Aber man ahnt es ja: Lieber den Bürgern mit dem ESM das Geld aus den Taschen ziehen, als Banken mit einem Schuldenschnitt zu ärgern. Ist klar: Am Hindukusch wird Deutschland verteidigt, aber in Brüssel wird kapituliert und kollaboriert. Aufregen sollen die Menschen sich lieber über langweilige ARD-Kommentatoren, die bei Olympia Hitlerzitate aktualisieren. Dass hierzulande niemand richtig Rabatz macht, dafür sorgt schon der hohe Bildungsgrad.

Wobei sich ja zurecht viele Olympia-Zuschauer über unsere Öffentlich-Rechtlichen aufregen, die bei allem und jedem Doping unterstellen und im Winter dann wieder völlig unkritisch durchgehend Biathlon zeigen, und die zweitens derart penetrant ausschließlich die deutschen Sportler zeigen, dass man von all den anderen, den interessanten Sachen gar nichts mitbekommt. Zum großen Glück ist hier denkbar leichte Abhilfe vorhanden: Einfach auf Eurosport schauen, da freuen sie sich über alle guten Leistungen, und da labern sie nicht ständig vom Doping.

Wünschenswert wäre für die Olympischen Spiele allerdings die Einführung von Mindestgrenzen. Turnerinnen sollten beispielsweise mindestens 30 Kilogramm wiegen und 145 Zentimeter lang sein müssen. Ebenfalls sollte für Teilnehmer ein Mindestalter von 16 oder warum nicht gleich 18 Jahren erforderlich sein. Denn noch jüngere, kleinere und leichtere Weltrekordlerinnen lassen die ganze Angelegenheit zu einer Freakshow mutieren, und wenn es eh schon eine Freakshow ist, dann braucht man auch kein Doping mehr zu verbieten sondern kann gleich alles erlauben, auch die ganz harten Sachen.

Jetzt aber erst mal Sommerpause, in Länder reisen, wo es keinen Euro gibt, morgens aufs Meer gucken statt in die Mails, Angeln statt Aufregen – und ab dem 5. September wird wieder geschrieben. Dann gibt’s den Euro immer noch, und auch Kurt Beck ist weiter im Amt, wetten...?!

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