By the way - die Sportglosse (Nummer 47, 18. Juli 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Wenn irgendwas im Politikbetrieb so richtig gar nicht geht, dann sind das Nazi-Vergleiche. Mag die Goebbels-, Auschwitz- oder Sonstwas-Keule auch noch so bemüht konstruiert sein, der, der sie an den Kopf kriegt kann einpacken. Das sozusagen kongeniale Pendant des Nazi-Vergleichs in der Gesellschaft war bis dato der Kindesmissbrauch-Vorwurf. Ganz schlimme Sache, in der Tat, und wessen Aura dieser Vorwurf umweht, der hat bis heute ausgeschissen, wobei für die smoothe Argumentation jetzt mal ausgeklammert werden soll, dass Kindesmissbraucher meist weniger hart bestraft werden als Leute, die dem Staat irgendwie Geld abgezockt haben.

Nun ist es ja schon rein statistisch betrachtet so, dass die beiden vorgenannten üblen Keulen in den allermeisten Fällen auf ältere und fast ausschließlich mal rein objektiv betrachtet durchaus unsympathische Vertreter unserer Spezies angewendet werden. Für jüngere, vom Ruch der Politikerkaste und/oder gar des Missbrauchs gänzlich freie Menschen stand eigentlich noch keine echte Keule bereit, wenn man mal von Hauptschüler, Lehre-Abbrecher, Migrant, Hartzer, Erbe, Internet-Millionär, Pirat, Radrennfahrer, Aussiedler und anderen Dingen absieht, die jedoch im Vergleich zu den stattlichen bereits Erwähnten eher als Ästchen zu bezeichnen sind. Und hier scheinen Politiker und Medien in seltener Einigkeit mit Hochdruck an der Etablierung einer neuen Riesenkeule speziell für Jüngere zu arbeiten, raffiniert auch in das weite Feld der neuen Kommunikationskanäle gepflanzt, mitten rein ins Social Web, und lässig über die Bande gespielt: „Facebook-Party“ ist DIE Keule 2012, gibt’s nur inklusive härtester Randale und Verwüstung des Eigentums und der Rechte unschuldiger anderer, meist älterer Bürgerinnen und Bürger. Wer eine Facebook-Party veranstaltet, der ist schwerst kriminell, wird in alle Ewigkeit und bis in den hintersten virtuellen und realen Winkel verfolgt und zur Strecke gebracht. Dann dem geifernden Mob als Trophäe präsentiert und abgeurteilt, schon bei nur 20 Party-Teilnehmern werden Geldstrafen von Hunderttausenden von Euros verhängt. Oha – da haben die Jüngeren die immer noch vorhandene immense Schlagkraft des Establishments wohl unterschätzt. Wahrscheinlich steckt Kurt Beck dahinter, der zum Abschluss seiner Karriere nochmal alle Kräfte gebündelt hat und nun den ultimativen Konter fährt.

Fränk Schleck, der Frank mit dem Umlaut, hat dagegen das Fahren jetzt einstellen müssen, Dopingverschleierungsmittel haben sie in seiner Dopingprobe gefunden. Großer Aufschrei und Skandal, vor allem in Deutschland, wo die großen Sender die Tour de France ja ignorieren und ausschließlich über Doping berichten. Man fragt sich, was die Radfahrer verbrochen haben, dass man sie derart an den Pranger stellt, während alle anderen Sportarten mehr oder weniger in Ruhe gelassen werden. Die Tour sollte aufhören, die Fahrer nach langen Etappen mitten in der Nacht geheimdienstartigen Kontrollen zu unterziehen und statt dessen nur noch Fahrer teilnehmen lassen, die einen ordentlich geführten Blutpass besitzen. Kapieren, dass sie als Institution viel stärker ist als der ganze bornierte Haufen aus UCI und Landesverbänden zusammen. Gleiches Zulassungsverfahren auch für andere Ausdauersportarten. Und warum die spanischen Fußballer bei jedem Turnier so viel mehr rennen können als die anderen Teams, das fragt eh keiner. Wir schon gar nicht, denn unsere waren ja schon 1954 voll mit Amphetaminen. Aber dieses Fass jetzt auch noch aufmachen?

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