By the way - die Sportglosse (Nummer 43, 13. Juni 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Juni 2012, EURO 2012, großer Geist weht durch das Land, nah und fern: Der Nachbar lässt das im ganzen Stadtteil beliebte Mini Public Viewing des pakistanischen Kioskbetreibers per Anzeige verbieten - statt dessen übt der untalentierte Sohn bei offenem Fenster laut Klavier. Der Niebel-Teppich beschäftigt das oberste Parlament, und fast schon wehmütig gedenken wir der Zeiten, als Teppiche noch im Zusammenhang mit Ludern in die Medien kamen. Heute dienen sie unseren Politikern als Alibi für das völlige Unterlassen sinnvoller Politik, sic transit gloria mundi, sagt der Lateiner. Voll dabei ist natürlich Übermutti Vonderleyer, aktuell mit der Forderung, Schlecker-Frauen als KITA-Erzieherinnen einzusetzen, was kommt noch? Ach ja, die Dauersache mit dem Schirm.

Aus Österreich ist der offiziell noch halbironische Wunsch zu vernehmen, man könnte doch auch unter den Schirm, warum denn nicht, wenn die anderen das alle dürfen. So vielleicht 50 Milliarden täten es schon richten fürs Erste. Ganz Unrecht haben sie nicht, die lieben Nachbarn, wettertechnisch sind sie weit weniger verwöhnt als die Südländer. Vielleicht sollten wir auch mitmachen, alle unter den Schirm, dann hat die Sache mit dem Euro schnell ein Ende. Hat ja eh Keiner wirklich verstanden, warum wir den unbedingt brauchen. Ging auch mit Drachme ganz gut früher, Schilling 7:1, das wusste Jeder. Wahrscheinlich gibt’s den Euro nur, damit wir Zinsen kriegen von all den armen Ländern, denen wir was leihen. Soll heißen, unsere Politiker und unsere Banken, so ein richtig revolutionär unspezifisches „wir“. Für Kinder mit Muskeln eigentlich gar kein so schlechtes Geschäftsmodell im nassen Frühsommer: Bedürftigen Schirme finanzieren und dann ordentlich Zinsen kassieren.

Echter Schweinekapitalismus halt – für den gerade verstorbenen Boxchampion Teófilo Stevenson wäre das nix gewesen. Der hätte alle Alis und Foremans zu seiner Zeit platt gemacht, heutzutage wären die Klitschkos chancenlos gewesen, aber als man dem regimetreuen Kubaner eine Million Dollar für den Wechsel ins Profilager bot, da fragte er: „Was ist eine Million Dollar gegen acht Millionen Kubaner?“ Und jetzt tot, grade mal Sechzig geworden, ein Großer...

Zumindest körperlich ganz und gar kein Großer ist Mehmet Scholl, der Netzernachfolger als Dellingpartner bei der ARD. Aber mit der Befürchtung, Mario Gomez werde sich wundliegen, wenn man ihn nicht bald wende, hat er lustig einen rausgelassen und uns damit auch den Gefallen getan, das nervige Herumgeseiere um Boateng und Gina-Lisa von Platz Eins der Fernsehstudio-Smalltalk-Themen zu verdrängen. Dafür ein Dankeschön, und Mario Gomez wird weiter treffen, wetten?!

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