By the way - die Sportglosse (Nummer 42, 6. Juni 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Nach einer Woche gehobenen Camping-Urlaubs inklusive täglichen Bädern in einem 14 Grad kalten Fluss und hektoliterweisem Konsum des Urlaubsbieres Heineken (lokale Alternativen sind in Frankreich nun mal Fehlanzeige) macht einem eigentlich Keiner mehr etwas vor. Den Kopf leer machen, Raum schaffen für neue Ideen und Projekte, Ziel erreicht. Und jetzt wird nachgemacht: Schon auf der Heimreise dröhnt Adele aus dem Radio – klingt genau wie Amy Whinehouse und verkauft sich glänzend. Start Ups mit seltsamen Namen wie Wummelkiste sammeln ordentlich Kapital ein und kopieren doch nur irgendwelche US-Projekte, die Myirgendwas.com heißen, die Samwer-Brothers lassen schön grüßen. OK, also Nachmachen und Absahnen, das scheint die Devise zu sein. Vorschläge gerne an den Autor, der sich momentan dafür begeistern könnte, Ahoi-Brause in Dosen abzufüllen und Wodka beizumischen. Einfach noch einen Alkopop machen, Kultmarke hintendran, fertig. Kommet in Scharen, ihr Investoren, es gilt, Lizenzen zu erwerben, Designer zu bezahlen (transparente Dosen sind gefragt, man soll ja die verschiedenen Farben sehen) und Abfüllanlagen zu errichten. Ganz zu schweigen von den Gefälligkeiten an die Einkäufer.

Allerdings denkbar schlechter Zeitpunkt für neue Unternehmungen, denn da ist ja die EURO. Und auch wenn zwei Tage vor Beginn des Turniers noch seltsam wenig Fieber herrscht, so ist da doch die Gewissheit, das es auch 2012 wieder ein gewohnt tolles EM-Studio bei gewohnt tollen Freunden geben wird, wo man jede freie Minute mit Fußball, Barbecue und Bier verbringt, mit feinen reinen regionalen Erzeugnissen natürlich, denn im Gegensatz zu den Franzosen haben wir sowas en masse. Da kommt man zwar nicht auf tolle neue Ideen, aber dafür kann man sich – urlaubsgleich – dem täglichen Newsflow entziehen, der doch nur aus abgeschnittenen Mutterköpfen, Pflegeriestern und Triumphgeheul über die Erlegung von Al Qaida-Vizes besteht (wir sind ja so viel zivilisierter als die ganzen Fatwa-Mullahs).

Auf Europameister Deutschland wetten und Patriotismus mit Profitstreben kombinieren ist für den Gelegenheitswetter leider nicht attraktiv – zu niedrig die Quoten für Schweini und Co. Also steckt man den Patriotismus in einen Sack, erschlägt ihn grausam mit einer Keule und wettet zu Quoten von ca 17.00 auf Italien. Die sind jung, die kennt Keiner, aber die haben den alten Strategen Sacchi hintendran, der seit Jahren an der Modernisierung des italienischen Fußballs dreht. Haben keine Kolonien, aber Balotelli haben sie trotzdem. Der spielt die EURO übrigens mit zwei Namen auf dem Trikotrücken, gibt’s des?! Haben leider auch ständig Wettskandale, weshalb im Sinne einer erfolgreichen Versiebzehnfachung des Einsatzes zu hoffen ist, dass nicht die Hälfte der Leistungsträger noch verhaftet wird. Und um die neuen Projekte kümmern wir uns dann nach dem Finale, im Juli, wenn Tour ist, Le Grande Boucle, und die Sommerferien vor der Tür stehen...

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