By the way - die Sportglosse (Nummer 41, 23. Mai 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Überraschung gestern morgen im Auto: Auf dem Weg zur Schule ertönt Roman Lob mit „Standing Still“ aus dem Radio, unser Beitrag zum Eurovision Song Contest. Reflexhaft geht der Griff zum fluchtartigen Weiterspringen auf den übernächsten Sender, da begehren die Kinder, allesamt unter 12, auf: Man solle das bloß lassen, das sei voll gut und im Übrigen auch voll angesagt – im Gegensatz zu Justin Bieber, der sei voll doof, und auf keinen Fall wolle man so ein „I love Justin T-Shirt“ haben. Genau andersrum hätte man’s erwartet, wahrscheinlich ein Zeichen, man wird nicht jünger. Danach sogar die Vision gehabt, dass unser Mann in Baku gewinnt. Gleich zehn Euro drauf gewettet...

Die Ober-Überraschung am letzten Samstag war natürlich der Sieg des FC Chelsea in der Champions League. Auch wenn mit zunehmender Spieldauer das Undenkbare immer denkbarer wurde, auch wenn man sich fragte, warum Müller raus musste, obwohl Tymoschtschuk keineswegs zu Torres ging, warum niemand Robben den Ball wegnahm, warum Neuer schießen musste, warum die keine Ecken können, die anderen aber sehr wohl uswusf – ein solches Brett hatte doch Keiner für möglich gehalten. Im ganzen Drama ging denn auch völlig unter, dass Rummenigge fehlte. Der gewohnte Bayern-Triumvirn gesprengt, nur Hoeneß und Hopfner auf der Tribüne, wo war Rummenigge? Bis heute nicht zu klären diese Frage, private Gründe, repräsentative Pflichten? Dann halt keine Lösung, aber anders als immer war’s schon.

Überhaupt nicht überraschend dagegen die neuerliche Untermauerung der These, dass Politiker seltsame Gestalten sind. Wie überwiegend erfolgte auch diesmal die Beweisführung durch die Gestalten selbst: Nicht, dass dagegen was zu sagen wäre, dass Frau Homburger die Bayern hasst, jedes Kind wird meist schon vor der Einschulung mit der Tatsache konfrontiert, dass viele die Bayern lieben und genauso viele sie hassen. Viele kriegen’s von ihren eigenen Eltern eingetrichtert. Aber als stellvertretende Bundesvorsitzende einer trotz Splittergruppenstatus in der Regierung befindlichen Partei kurz vor dem Champions League Finale in München seinen Bayern-Hass in einem öffentlichen Interview kundzutun, das ist wahlweise mehrmals so dumm wie inmitten eines Haufens angesoffener Ultras ein Bengalo hochzuhalten, oder aber mindestens so kalkuliert wie ein endlich mal Klartext redender Seehofer im Quadrat. Galoppierende Brunzdummheit vs pseudoraffinierte Ansprache der bundesweit zahlreich vorhandenen Wählergruppe der Bayernhasser. Wahrscheinlich ersteres, und saudumm auch, wenn’s Kalkül war, gleiche Masche dann wie „Ich hasse Moslems“ zu rufen, oder „Ich hasse Sozialschmarotzer“ oder sonstwas. Sollte mit sofortigem Zwangsabstieg der FDP geahndet werden...

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