By the way - die Sportglosse (Nummer 38, 2. Mai 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale.

Zunächst einmal muss in dieser Woche die persönliche Groundhopper-Liste um das Etihad zu Manchester erweitert werden. Als London-fixierter Kontinentaleuropäer hat man ja nur Gunners und Spurs und vielleicht noch QPR und West Ham im Kopf, ManUnited spielt immer Champions League, kennt man auch, ganz klar, und jetzt kommt City. Nicht neu, im TV das 6:1 im Old Trafford gesehen, aber einen großen Heimsieg noch nie. Den gab es Montag gegen ManUnited, 1:0, und wer das tolle Spiel gesehen hat, der hat vielleicht auch mitbekommen, wie das ganze Stadion danach „Hey Jude“ gesungen hat. Einfach großartig, Gänsehaut, unbedingt auch will. El Pibe war wahrscheinlich der einzige im Stadion, der nicht im richtigen Takt mitklatschen konnte, weswegen er jetzt vom dünnen Gallagher gedisst wird.

Weniger verlockend scheint da ein Besuch der EURO 2012 in der Ukraine. Erst haben sie einen mit den Hundevergasungsgeschichten v.a. bei Facebook genervt, und dann kommt nahtlos die Politik. Boykott, heißt es jetzt, aber nicht für Spieler sondern für Politiker. Alle wichtigen sollen wegbleiben, außer dem tollen Innen- und Sportminister. Kann man sich schon drüber aufregen, wie die Politik den Sport vereinnahmt. Zum Glück geht das bald los mit der EURO, man mag sich gar nicht vorstellen, was die sich noch einfallen lassen, wenn die Spiele erst 2012 angepfiffen würden...

Mal ganz abgesehen davon, dass bei der Vergabe 2007 in der Ukraine genau die Julija Tymoschenko (sic bei Wikipedia) an der Macht und zwar ganz hübsch aber deswegen auch nicht unbedingt Friedensnobelpreis-tauglich war, wegen der jetzt ein politischer Shitstorm vom Zaun gebrochen wird. Falls es so was wie einen politischen Shitstorm überhaupt gibt. Und natürlich ebenfalls davon abgesehen, dass man sportliche Globalevents eben nicht in solche Länder vergibt, wenn man später nicht auch dazu stehen kann. In China gab es während der olympischen Spiele wahrscheinlich mindestens zwei Millionen „Problemchinesen“, die sich nach einer Gefängniszelle a la Tymoschenko geradezu gesehnt hätten in ihren Verliesen. Und jetzt wird das unselige politische Geschacher wieder über den Köpfen der Sportler ausgetragen, die zwar auch Teil des großen Ganzen sind, die aber nun am allerwenigsten mit der Vergabe zu tun haben.

Gegen eine klare „Geld regiert die Welt“-Aussage wäre weniger einzuwenden als gegen das bigotte Geseier der Politiker und Funktionäre, die die Events vergeben. Immer noch besser, der Chinese oder der Durchschnitts-Wahhabit im Katar kann sich Adidas kaufen, als wenn er’s nicht kann. Nicht zu vergessen den immensen Geldrückfluss, die großen Rüstungsdeals etc. vom ausrichtenden Land zur FIFA und UEFA und der vergebenden Länderfamilie. Da haben wir 2006 sicher auch keinen schlechten Schnitt gemacht. Und wem das alles zu materiell und kalt und böse ist, der sollte sich halt dafür einsetzen, dass nur noch in gute Länder vergeben wird. Wenn ihm denn gute Länder einfallen...

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