By the way - die Sportglosse (Nummer 37, 25. April 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Das Internet ist voll angesagt. Ob als Fetisch oder Feindbild, ACTA und Anonymous und Zuckerberg beherrschen die Schlagzeilen. Globales Thema, jede Menge Gurus unterwegs. Allerdings hat das Internet auch im Guru-Bereich drastische Veränderungen mitgebracht. Nix mehr langer Bart und zerzaustes Haar, Altersweisheit und Alterswahnsinn - der durchschnittliche Philosoph des Internetzeitalters ist ca. 20 Jahre alt, Blogger, und er sagt bzw. bloggt Sätze wie „wir lachen nicht, wir lollen“. Ganz toll, prägnant, Alliteration (s.o.) und alles, aber ungefähr so sinnhaltig wie das Anti-Internet-Gefasel eines durchschnittlichen CSU-Politikers. Für beide Seiten sollte das große Zitat des Weltmeisters Thomas Berthold gelten: „Ich nehme mich nicht so wichtig, wie ich bin.“ Wobei der zweite Teil dieses Satzes natürlich jeweils zu prüfen wäre.

Weder zum Lachen noch zum Lollen ist den Fans des FC Barcelona nach dem Ausscheiden aus der Champions League. Erst Madrid, dann Chelsea, kein Wunder wird das Stadion der Katalanen in einschlägigen Foren bereits als Camp Mou (sic) bezeichnet. Wer es aber gegen zehn Kleinfeld-gewohnte Chelsea-Männer im riesengroßen Heimstadion und trotz Tiki-Taki und Elfmeter nicht hinbekommt, der hat es halt auch nicht verdient. Andersrum können die Briten ihrem Obermaniac John Terry für die erneute Verhaltensauffälligkeit in Minute 37 auf Knien danken – denn mit ihm hätten sie das niemals geschafft, darauf jede Wette...

So kann Pep Guardiola seine glorreiche Ära in Barcelona beenden und Nachfolger von Sir Alex Ferguson bei Manchester United werden. Fürs Museum ist er ja noch zu jung, im Gegensatz zur Raumfähre Discovery, die in der vergangenen Woche auf den Weg in eine Einrichtung namens Udvar-Hazy-Center gebracht wurde. Hubble-Teleskop ausgebracht, als Erste an die ISS angedockt, jeweils nach den Challenger- und Columbia-Katastrophen als Erste wieder rauf zu insgesamt 39 Raumflügen seit 1984 – da kann man schon mal einen Satz oder auch gleich einen Absatz drüber verschwenden. Zumal man manchmal denkt, es wäre einem wohler, wenn wir besser zurecht kämen im Space und Outer Space. Vor allem als Bewohner jener Gegend, in der letztens mit lautem Knall und Gewackel ein Meteor explodiert oder eingeschlagen oder sonstwas ist. Müssen sich jetzt die Russen eben alleine drum kümmern, kommt ja sonst Keiner mehr hoch. Und damit man den Russen wenigstens ab und zu Einen mitschicken kann muss man sich gut stellen mit ihnen. Drüber hinwegsehen, dass dort 20-jährige Internetphilosophen oder Milliardäre einfach weggesperrt oder gleich umgebracht werden. Ist schon kompliziert, die ganze globalisierte Welt. Aber bevor wir krank oder schwermütig werden an all den Komplikationen, da haben wir zum Glück immer noch den Fußball. Der ist auch ein globales Phänomen, und wenn man Matches wie Barca vs Chelsea (gestern) oder Real Madrid vs FC Bayern (nachher) schaut, dann ist gar kein Platz mehr im Hirn für Luftfahrt und Raumfahrt und Menschenrechte. Zum Glück...

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