By the way - die Sportglosse (Nummer 35, 11. April 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Auf der Enterprise gab es Alarmstufe gelb für schlimme und Alarmstufe rot für ganz schlimme Bedrohungen. In beiden Fällen onkte es im Zweisekundentakt laut durchs ganze Schiff. Nun wollen wir beim von Günter Grass unlängst ausgelösten Profilneurosenalarm mal die Kirche im Dorf lassen – gelb höchstens, rot behalten wir uns vor, wenn die ersten öffentlichen Selbstverbrennungen in Berlin, Wien und Jerusalem erfolgreich durchgeführt wurden. Wäre das nicht mal was, Herren Broder und Konsorten? Ultimative Aufmerksamkeit weltweit, so richtig mal? Denn ganz ehrlich: das reflexhafte Formulieren und Fabulieren Ihrerseits onkt zwar ebenfalls im Zweisekundentakt durch das World Wide Web, aber an die Alarmstufe gelb haben wir uns längst gewöhnt, schaut Keiner mehr wirklich hin, großes Gähn, geht woanders spielen. Und die Tatsache, dass auch so ziemlich alle wichtigen bzw. qua Funktion eigentlich wichtig sein sollenden Politiker zum Thema mitschwadronieren macht die Sache auch nicht bedeutender. Profilneurosenalarm eben, denn wenn der Lebenszweck einzig und allein das opportunistisch und sonst gar nicht motivierte Intrigenspinnen ist, dann springt man gerne mit auf, fühlt sich zum Einschreiten berufen, wenn es um Israel geht. Den Wähler immer im Auge, Ablenkung und Verschleierung, Nebelkerze quasi. Verblendung aber auch, umso mehr, denn anzunehmen, dass man dem Wähler dadurch sympathischer würde, oh my god...

Im Übrigen wundert man sich schon, dass hier immer von einem Gedicht die Rede ist. Einfach Schwurbel schreiben, und den Zeilenumbruch irgendwie so setzen, dass es nach Gedicht aussieht, reicht das? Gedicht kommt doch von Dichten, sollte es sich nicht gar reimen? Wobei, Nobelpreis gewonnen immerhin, also jetzt nicht so tun, als sei der Günter, der Günther, t oder th, beides zuhauf gefunden, wat denn nu, also als sei der Günter irgendein dahergelaufener Trottel. Andererseits: Viele Politiker haben zum Beispiel das beste Abitur ihres Jahrgangs in ihrem Bundesland, top top top, Summa com laude das Studium auch. Nicht ganz dumm also, aber Profilneurose, wie der Günter eben auch, vollrohr. Trifft Dichter, Denker und Politiker, Politik immer förderlich für Profilneurose, politisch motivierte Dichter und Denker, da klingt die nichtkörperlich verursachte Störung ja schon laut heraus.

Überhaupt: Wer von den ganzen Topagenten, die hier öffentlich mittun, hat den Grass denn gelesen? Gibt ja Keiner zu, aber die These sei hier mal hingestellt, dass die allermeisten allerhöchstens die Blechtrommel kennen – aus der Glotze. Und erinnern tun sie sich auch daran nur wegen dem nervigen Matzerath, Gläser zersingen und unterm Rock und so. Fanden den Autor, den politisch motivierten Dichter und Denker Grass doch schon immer viel zu langweilig. Sollten daher doch bitte bitte schleunigst alle mal die Kirche im Dorf lassen, selbst Alarmstufe gelb kann eigentlich wieder abgeschaltet werden. Viel zu viel Aufmerksamkeit für das Thema, lieber auf Fußball konzentrieren, Dortmund gegen Bayern, Liga und Pokal, dazu Champions League, dann EURO 2012. Zumindest für die Menschen ohne politisch motivierte Profilneurose.

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