By the way - die Sportglosse (Nummer 34, 04. April 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Manchmal fallen einem Sachen auf, die zwar nicht sensationell aber doch wenigstens bemerkenswert sind – und dann kommt raus, dass das alles ein ganz alter Hut ist. So merkte der Australien-Auswanderer auf Deutschland-Besuch beim Chillen am Küchentisch neulich an, über Facebook rede man ja schon viel – aber fast ausschließlich mit Leuten, die selbst gar nicht bei Facebook sind. Wissenschaftliche Verifizierung an dieser Stelle unmöglich, aber stimmt doch total und ist auch noch nicht allzu abgedroschen, oder?

In Sydney gibt es übrigens jetzt einen neuen Studiengang „Global Citizenship“, was ebenfalls durchaus bemerkenswert ist. Denn während sich hierzulande gelangweilte Alt-Achtundsechziger mit Engagement-Neurose auf Bäume schnallen und in Bürgerinitiativen zusammenrotten, kann man die Gelassenheit des Geistes im Umgang mit anderen Meinungen und Kulturen Down Under sogar studieren. Weltbürger statt Wutbürger, nicht schlecht. Nachzuweisen wäre allerdings, ob es sich bei diesem Studium nicht doch nur um eine Art Business-Turbolader für Effizienzmaniacs handelt, die das Gelernte zum noch turbogeileren Geldverdienen und Leistung erbringen im Deichkindschen „Bück Dich hoch“-Sinne und zu sonst nichts einsetzen.

Das krasse Gegenstück zum Business-Turbolader, das andere Ende, das, was hinten ausgespuckt wird beim brüllend lauten Beschleunigen und Effizienzsteigern, tatsächlich sogar die fleischgewordene Hartzigkeit stellen ja nun die armen Schlecker-Frauen dar. Ob die das selber begreifen, dass sie medial zum Prekär-Klischee par excellence gemacht wurden? Hier der antriebslose Arbeitslose, dort der Kriminelle mit Migrationshintergrund, und ganz da drüben, immer in Zweier- oder Dreiergrüppchen, die Schlecker-Frauen. Nur Frauen, immer. Auch hier unklar, ob wirklich nur Frauen beim Schlecker gearbeitet haben, Verifizierung ausstehend, aber: Als schmerzfreier Schlecker-Mann sollte der Business-Plan für die kommenden zwölf Monate auch ohne Weltbürgerstudium klar sein: Eine Talkshow nach der Anderen, mal elend schauen, mal krakeelen, auf jeden Fall aber so richtig durchstarten am Boulevard der Peinlichkeiten. Die Frauen können ja immer noch bei Pro7 boxen, vielleicht auch in einer Teamwertung nach Standorten...

Und wo wir schon mal beim zur Schau Stellen scheiße aussehender Randgruppen sind: Es wird höchste Zeit für den Schwalben-Pranger in der Bundesliga. Eine Woche mediale Vernichtung für den, der absichtlich in den herauskommenden Torwart einfädelt und sich fallen lässt statt drüberzuspringen. Wiederholungstäter und solche, die sogar gegen die ehemaligen Teamkollegen Elfer schinden kriegen zwei Wochen. Irgendein reichweitenstarkes Medium sollte sich doch für sowas finden lassen.

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