By the way - die Sportglosse (Nummer 32, 21. März 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Heute alles egal! Heute sowas von deutscher Schäferhund, vollauf damit beschäftigt, eine Herde bzw. Horde deutscher Gamingjournalisten durch London zu treiben und geordnet der Präsentation des neuen Retro-Diesel-Punk-Shooters „Sine Mora“ inklusive japanischem Soundguru Yamaoka-San beizuwohnen. Gestern diese Herde bzw. Horde überhaupt erstmal nach London getrieben inkl. Warm Up, kann ja wohl auch alles andere egal sein. Also ob zum Beispiel die Bayern Schnickschnackschnuck machen vor dem Freistoß – völlig egal. Wobei, wenn sie sich nicht anders einigen können eigentlich total legitim. Besser als auf dem Platz zu streiten oder sich mit Gewalt durchzusetzen. Spielerisches Herunterbrechen sich anbahnender Konfliktsituationen, also geradezu vorbildlich die Herren Ribery und Kroos. Haben sicher schon zwei, drei Blue Chips angefragt, ob man denn nicht mal ein Coaching geben könnte für die mittleren Kader, Konfliktmanagement und so.

Total wurscht auch, dass der skifahrende Jungbauer Marcel Hirscher mit der coolen Brille den Gesamtweltcup gewonnen hat, obwohl er den eigentlich eher nicht hätte gewinnen können. Hat aber der Ami den Super G in Schladming gesteckt wie einen Riesenslalom für Frauen, und da ist der Hirscher eben Dritter geworden weil Riesenslalom kann er gut und Speed eher überhaupt nicht. Hat der Feuz halt selber Pech gehabt. Kann man sich schon mal ärgern als Schweizer, völlig legitim schon wieder. Aber egal.

Oder der dicke Schmitz, Dotcom. Verhaftet, Kohle weg, Karren weg, sogar Gemälde weg. Einfach so. Haben die Amis eben angeordnet. Und da spurt man in aller Welt, zack zack. Nicht, dass gefühlte dreiunddreißig andere Anbieter öffentlich und ungestört genau das Gleiche machen, nicht, dass die Vorwürfe total aus der Luft gegriffen sind, oh nein. Gleich aus dem Panicroom rausgeholt, den dicken Kim, und weg. Vom Assange fangen wir gar nicht erst an hier. Wegen Sex und so. Sensibles Thema. Aber Schmitz, Sex, Assange – alles egal heute, wie gesagt.

Genauso wie der Schumi. Hat der endlich wieder ein konkurrenzfähiges Auto hin gebracht, haben die Anderen gleich die Hosen voll. Fangen präventiv schon mal das Petzen an wegen irgendwelcher Schlitze in Schumis Nase, also wirklich. Formel 1-Teams sind sicherlich führend im weltweiten Ranking der Super-Petzen. Wobei man ja selbst nicht weiß, warum man immer so ein bisschen klammheimlich FÜR den Schumi ist, denn der ist weder sympathisch noch attraktiv noch sonst irgendwas, außer halt ein super Fahrer. Sogar einer der wenigen Sportler, über dessen Ausscheiden sich selbst ansonsten völlig untadelige megafaire Experten freuen. Ist fast wie sich über die Verletzung eines gegnerischen Spielers freuen, schlimm, aber beim Schumi machen das echt viele. Na, ist aber auch egal heute. Und wo wir grade in London sind zum Schluss noch was, das nicht egal ist: Fußball ist die wichtigste Nebensache der Welt, nicht umsonst, Fußball ist was ganz Besonderes. Sieht man jeden Spieltag, wenn die Stadien voll sind, sieht man, wenn sich alle freuen oder wenn sich alle aufregen. Das ist echte Energie, kann man körperlich spüren im Stadion. Sieht man aber eben auf geradezu schaurig-schöne Art und Weise auch, wenn alle Anteil nehmen. Get well soon, Fabrice Muamba!

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