By the way - die Sportglosse (Nummer 30, 7. März 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Manchmal schaut man ein Fußballspiel, es gibt Freistoß, und man weiß genau: Der geht rein. Oder beim Elfmeter, Schütze legt sich den Ball zurecht, und es ist einem sowas von sonnenklar, dass er den eben nicht reinmachen wird. Kann man hinterher behaupten, man hätte es schon vorher gewusst, kann man sich aber nix kaufen von, außer man hat vorher bei einem seriösen Anbieter zu toller Quote eine Sportwette auf just dieses Ereignis abgeschlossen und schafft es dann, sein Geld tatsächlich auch abzuheben. Seriös eben. Dieses mal so als Einleitung und wenigstens ansatzweiser Sport- und Wettbezug in einer Woche, in der es trotz großer Bayernkrise wieder mehr um andere Sachen geht.

In 1986 hatte die norwegische Combo A-ha einen Tophit, der hieß „Cry Wolf“ – diesen für den Großen Zapfenstreich unseres zurückgetretenen Bundespräsidenten vorzuschlagen war geradezu zwingend schon zu einer Zeit, als der Herr Wulff noch von Ebony and Ivory träumte. Dass nun aber auch der allerletzte Radiosender seine Hörer auffordert, Zapfenstreich-Songvorschläge zu schicken, das macht aus dieser eigentlich doch recht gelungenen Pointe, nicht wahr, einen abgedroschenen Kalauer mit langem Bart. Da nützt es auch nix, dass der Song als Thema schon letzte Woche hier auf dem Zettel stand oder eleganter, in die Kladde gekritzelt wurde, so mitten in der Nacht, plötzlich Einfall gehabt, Kladde und Griffel geschnappt, ganz der Autor halt. Aber trotzdem, hey, „Cry Wolf – Time to worry now“, gespielt von der Bundeswehrkapelle, die das aber jetzt mal ernsthaft großartig kann! Wäre das denn nichts? Haben dem zu Guttenberg sogar Smoke on the water gespielt.

Ganz sensibel auch, aber zumindest im Borat’schen Sinne großartig war der Sager des weißrussischen Despoten Lukaschenko, er sei dann doch lieber Diktator als schwul. Ging natürlich ganz klar in Richtung unseres Westerwelle, der ja nun auch nicht gerade das meiste Mitleid aller Erdenmenschen verdient. Was aber wiederum ganz und gar nicht bedeutet, dass derart diskriminierende Sachen hier gutgeheißen würden, weswegen gleich an alle Schwulen, Lesben, Homos und Bi’s sowie auch Hermaphroditen, keineswegs aber an Diktatoren und Despoten, ein dreifaches „Nicht, dass dagegen was zu sagen wäre“ nachgeschoben sei.

Ansonsten: Über das einstige Wunderspringpferd Totilas war zu lesen, es sei mittlerweile nur noch als Deckhengst eine Sensation, und HSV-Trainer Fink meint, sein kleiner Krieger Guerrero habe nur deswegen acht Spiele bekommen, weil er so böse aussehe. Ein doppelter Beweis dafür, dass unsere Welt schon noch einigermaßen in Ordnung ist, trotz Griechen und Katastrophen und Elend und Ehrensolddebatte. Denn wenn es ernsthaft Grund zur Sorge gäbe, dann stünde so etwas nicht mehr in der Zeitung.

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