By the way - die Sportglosse (Nummer 29, 29. Februar 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Es gibt Dinge, die sind überhaupt nicht zeitgemäß – aber Spaß machen sie trotzdem. Grade eine Woche zum Ski im Berner Oberland gewesen, erinnert man sich selbst noch genau an sein Geschwätz von gestern. Viel zu teuer das, drei Kinder obendrein, und schneesicher gibt’s auch schon längst nicht mehr, alles künstlich beschneit, Liftbetreiber zackern in mafiösem Durcheinander um Zugänge zum Wasserreservoir für die Kunstschneeunterlage, und natürlich wird auch die Natur kaputt gemacht, nicht zu Vergessen das Global Warming. Aber dann: Morgens um Neun der Eigernordwand gegenüberstehen, die Sonne blinzelt zum ersten Mal drüber, kaum Jemand unterwegs, frische Luft, Champaign Powder – was will man denn mehr? Klar will man auch noch drei Wochen in der Sonne liegen, frische Luft hat man da auch, Schwimmen ist gleichfalls Bewegung. Aber der Erholungswert einer Woche Ski ist ganz klar zig Mal höher als mehrere Wochen Strand mit Bier in der Hand. Und das mit dem Global Warming ist ja vielleicht auch alles ein wenig übertrieben worden. Weiterer Vorteil: Man ist am Abend so müde, dass man schon vor Ende der ersten Halbzeit des Champions League Duells Basel vs Bayern selig einschlummert und sich das Gegurke des deutschen Rekordmeisters nicht unnötig länger zumuten muss.

Die Frau, der Bayernfan im Haus, hat im Übrigen mal wieder völlig recht: Viel zu alt der Trainer Heynckes, Beamtenmentalität reingebracht, Verwalten statt Entwickeln, reicht um national vorne mitzuspielen, aber mehr? Ein jüngerer Dynamiker müsste her, kein Hektiker-Hysteriker wie Klinsmann. Und natürlich der große Schnitt im Team, hinten, Mitte, vorne, mehr Klasseleute holen, mehr interner Konkurrenzdruck. Nun ja, das Scouting haben sie zumindest in Südamerika zuletzt ganz gestrichen, war ja auch schon vorher nicht grade berauschend. Sieht nicht aus wie Zukunft, sieht vielmehr so aus, als wäre einiges im Argen beim FCB, ähnlich wie 2001, Brandrede usw. Und dann haben sie gewonnen, das war schön. So soll es wieder sein, aber den Dynamiker und den Schnitt, das sollten sie trotzdem machen.

Gnädig verschont wird man beim Ski übrigens auch von dem Theater um unseren Bundespräsidenten. Was ein Glück. Da wechselt es ja bei uns durchaus häufiger als in Italien, wo immer alle auf den Berlusconi und sein faules Volk von Trickbetrügern schimpfen. Italienische Staatspräsidenten werden aber doch alle gefühlte 250 Jahre alt – im Amt. Und vom Ministerpräsidenten gibt es allein auf Youtube tausendmal mehr lustige Filmchen als von allen deutschen Kanzlern und Präsidenten zusammen. Nicht nur A-Note sondern auch B-Note deutlich höher als bei uns. Also ruhig mal einen Gang runterschalten beim Belehren der europäischen Nachbarn. Vor allem, wenn man das Gegenteil von dem vorlebt, was man von den Anderen fordert.

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