By the way - die Sportglosse (Nummer 27, 08. Februar 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Gut fing die Woche an, denn in den Tiefen der TV-Programmliste fand sich ein Format namens „Servus TV“. Ein offensichtlich von Red Bull finanzierter austrischer Sender, der über dies und das berichtet – aber eben auch eine Sportsendung namens Hangar 7 anbietet, die zur großen Freude vom alten Haudegen Rudi Brückner moderiert wird. Ebenjenem Brückner, der die heute vor allem unter Anhängern des VfB Stuttgart nur noch „bauernhörige Saufrunde“ genannte Sendung namens „Doppelpass“ im DSF moderierte, dass es allsonntaglich um 11 eine wahre Wonne war – der dann jedoch unter obskuren Umständen zugunsten des unsäglichen Wontorra abgesetzt wurde. Macht er jetzt halt mit den Ösis rum. Da sind die Inhalte für einen Bundesligafan manchmal eher a bisserl fad, aber dafür springen da haufenweise Original-Österreicher rum, was auch nicht zu verachten ist, Schmäh und so, da gibt’s wirklich echte Topagenten. Ein solcher ist zum Beispiel Günter Mader, der sich als Co-Kommentator eines anderen Senders bei Skirennen ein Zubrot verdient und das gar nicht mal schlecht macht, ganz im Gegenteil. Alle Skifans sollten aber zuvor mal nach dem Günter googeln, Bilder, denn die Frisur vom Günter ist wirklich aller Ehren wert.

Zentrales Sportereignis der jüngsten Vergangenheit natürlich Super Bowl. Für die Generation 40plus halt leider nicht mehr drin, 00.30 bis 4.00 Glotze, dann Morgenroutine und Arbeit, geht nicht. Ging freilich bei den Meisten noch nie, aber in Zeiten medialer Allumfassung fühlt man noch viel mehr den Druck, die Pausenshow inklusive Werbespots allesamt gesehen zu haben. Ach ja, das Spiel natürlich auch, wo doch der Brady mit der Bündchen usw. Kleiner Trost: den coolen Spot der First Bank gab’s nur in Colorado zu sehen – da sitzt der Banker im Sessel und sagt, es werde jetzt 30 Sekunden nix passieren, weil die Bank ihren Kunden eine Pinkelpause spendiert. Sehr schöne Aktion, weit weniger gezahlt als die 3,5 Millionen fürs globale Gesehenwerden, dafür aber in allen Blättern und Portalen freudig besprochen worden inkl. youtube.

Und so vertreibt man sich die Tage mit Nebensächlichkeiten wie Sport, bis dann, aus dem Nichts quasi, die wirklich harten Meldungen kommen. Die Meldungen, von denen man sich erstmal gar nicht direkt betroffen fühlt, die aber nach Erkenntnis der mittelbaren Effekte umso schwerer einschlagen. Vergesst Global Warming, die Suzuki-Fliege ist da! Diese zur Familie der Drosophilae gehörende Kirschessigfliege zeugt so häufig Nachkommen, dass einem Hören und Sehen vergeht. Die Eier werden im reifenden Obst abgelegt, kurz vor der Ernte, und dann wird alles faulig und matschig. Ganze Ernten sind in Gefahr. Insektizide helfen nicht, natürliche Feinde gibt es hierzulande auch nicht. An unseren Grenzen stand das Viech schon länger – wer sich fragt, warum in Südtirol zum Beispiel so wenig bis gar kein Vernatsch des Jahrgangs 2010 gekeltert wurde: Bingo. Und jetzt wurden die ersten Populationen in Deutschland nachgewiesen. Kann also nicht mehr lange dauern, bis hier alles matschig ist. Ob wir auch morgen noch den heimischen Apfel nehmen und kraftvoll zubeißen können?

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