By the way - die Sportglosse (Nummer 25, 25. Januar 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Wenn Politiker Fragebögen beantworten, dann müssen sie häufig auch eine Antwort finden auf die Frage, wer ihr persönlicher Held der Gegenwart oder Vergangenheit sei. Und bei der Beantwortung dieser Frage stellen fast alle zuverlässig ihre Brunzdummheit und Langeweile zur Schau, weil sie sich nämlich rauslavieren mit Gefasel wie „das Wort Held kommt in meinem aktiven Sprachschatz nicht vor“, oder auch „die Bezeichnung Held verwende ich nur ungern“. Wenn man nicht schon wüsste, dass Politiker zumeist seit frühester Kindheit fast ausschließlich aus Problemen und Neurosen bestehen, man müsste sich fragen, was die für ein Problem mit dem Wort Held haben. Allerdings könnte man auf die Beantwortung dieser Frage auch gerne verzichten...

Den Ski-Allrounder Ivica Kostelic als Held zu bezeichnen, damit hat in Kroatien sicher kaum Einer ein Problem. Ob sich sein Ruhm auch auf im Krieg eigenhändig erschlagene Feinde gründet, kann an dieser Stelle nicht bewiesen oder weiter ausgeführt werden, wäre aber aufgrund der euphemistisch als Heißblütigkeit bezeichneten Radikalität vieler kroatischen Fans gar nicht mal so abwegig. Im aktuellen Weltcupwinter hat der gute Ivica sich allerdings wenig heldenhaft verhalten, als er wiederholt die Kollegen Hirscher und Neureuther des Einfädelns, ergo Betrugs bezichtigte – Tage nach den betreffenden Rennen, mit viel Gedöns in der Öffentlichkeit und natürlich unter Verwendung des von „Heißblütigen“ in aller Welt gerne auch laut und in einem Atemzug mit dem Wort „Ehre“ ausgerufenen Wortes „Schande“. Noch nicht mal unser Schumi zu seinen ehrgeizigsten Zeiten hat jemals so dreist die Kollegen angeschwärzt und verpetzt, weswegen Herr Kostelic zumindest außerhalb Kroatiens für den Titel eines Helden hoffentlich nicht mehr so bald vorgeschlagen wird.

Nicht gleich in einer größeren Region, aber doch zumindest auf Schalke haben viele Manuel Neuer als Helden bezeichnet. Ist ja auch ein toller Typ, toller Keeper, egal wo er spielt. Ist sogar der Inbegriff modernen Torwartspiels geworden, weswegen es umso seltsamer scheint, dass nun so viele inkl. Trainer und Kaiser an ihm rummäkeln, bloß weil er aus der Bedrängnis heraus einen Fehlpass gespielt hat. Wenn beim Schweini oder beim jungen Draxler oder sonst einem Feldspieler bei jedem Fehlpass so rumgemault würde – es wäre gar kein Platz mehr für Spielberichte und Ergebnisse in den Medien. Also bitte, den Manuel in Ruhe lassen. Nur weil er sich solche Sachen regelmäßig zutraut, finden ihn doch alle so gut.

Zumindest ungefähr dem Namen nach passt auch Schalke-Manger Horst Heldt hier ganz gut rein. Wenngleich sein Nachfolger beim VfB Stuttgart ihm jüngst nicht gerade allzu großes Heldentum bei der Zusammenstellung des Schwaben-Kaders bescheinigte. Nicht umsonst wurde Heldt in Fankreisen auch „Shopping-Hotte“ genannt. Was nicht heißen soll, dass Kollege Bobic es besser macht. Nach der Verpflichtung des launischen Ibisevic fürchtet schon so Mancher, der Fredi kauft jetzt Hoffenheim auf und holt dann noch Ex Burnout-Patient und Doppel-Ex-Trainer Rangnick zurück an den Wasen. Mal schauen, ob nach zwei weiteren Niederlagen des VfB aus dieser Befürchtung Realität wird. Bis zur nächsten Trainer-Wette zum Thema VfB dauert’s wahrscheinlich nicht mehr lang. Auch wenn Robin Dutt mit Bayer Leverkusen da derzeit noch erster Anwärter ist...

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