By the way - die Sportglosse (Nummer 23, 11. Januar 2012) in Kooperation mit der Wettzentrale

Da dachte man, im neuen Jahr wird alles besser, alles anders, Neustart, frischer Wind und totaler Elan – stattdessen: Immer noch alles voller Wulff. So verzweifelt ist unser Noch-Bundespräsident, dass er mittlerweile gar mit der Veröffentlichung von 400 (!!!) Fragen und Antworten zur Causa gedroht hat. Die Anwendung dieser grausamen Waffe verstieße jedoch eindeutig gegen die Genfer Konventionen, nur darum konnten seine Anwälte in letzter Minute die Veröffentlichung verhindern. Reflexhafte Empörung deswegen (also wegen der Nicht-Veröffentlichung) kann getrost unter der Tatsache subsumiert und abgeheftet werden, dass eben immer überall und im Politikbetrieb ganz besonders jede Menge Volldeppen unterwegs sind. Warum also, wenn man ohnehin schon völlig schmerzfrei ist, nicht auch mal aufschreien, weil einem die 400 Fragen und Antworten vorenthalten werden. Eines muss man dem Obersten aller Deutschen allerdings lassen: Zwar kann er kein Wasser in Wein verwandeln, aber die Fähigkeit, aus absolut Nichts die allergrößte, geradezu greif- und riechbare Scheiße zu produzieren grenzt ja fast genauso an Zauberei.

Ganz ohne Überleitung zu Thierry Henry. Der braucht das nicht, dem trauen sie in London mittlerweile auch die Verwandlung von Wasser in Wein zu. Kann Wulff nur träumen davon, solch Ruhm, solch Ansehen. Kommt der für zwei Monate als Leihgabe zu Arsenal zurück, hatte vorher geschickt den Eindruck erweckt, er sei jetzt 30 Kilo schwerer und gehe nur noch auf dem Platz, viele, Autor eingeschlossen, dachten eher an einen Marketing-Gag, und dann kommt Titi im FA-Cup gegen Leeds auf den Platz und erzielt das Siegtor. Aus London wird grandiose Stimmung berichtet, wie gerne wäre man dabei gewesen irgendwo im Pub in Islington oder Highbury.

Bei uns dagegen giftet man sich durch die Winterpause. Bayern und Reus giften sich an, und alle giften gegen Hoffenheim. Hat zwar meistens seine Berechtigung, das Giften gegen Hoffenheim, aber diesmal kommt es doch ein bisschen arg bemüht daher. Haben sie einen 13 jährigen Berliner in den Kraichgau geholt, mein Gott. Allein mit der Mama und gefühlten 27 Geschwistern, schwieriger Kiez, kein Schulabschluss in Sicht. Bittet seine Mutter förmlich darum, den Jungen da rauszuholen, zu fördern, Schulabschluss macht er dann auch, alles gut. Da zu motzen, das wäre Kinderhandel, ist schon arg bescheuert und bigott. Als ob’s nicht überall schon immer so wäre. Michel Platini und seine deutschen Mitmotzer sollten mal irgendein Turnnachwuchs-Internat besuchen, da würden sie staunen. Machen sie natürlich nicht, zurückrudern geht ja nicht, niemals. Statt dessen staunen eben die Zuzenhausener C-Jugendlichen, dass bei einem ganz normalen Training plötzlich drei Fernsehteams auftauchen. Wird Zeit, dass die Liga wieder los geht, dann ist gleich mal kein Platz mehr für derartigen Dünnsinn. So viel steht noch an allein im ersten Halbjahr, da kann man sich – bemüht versöhnliches Ende – doch echt freuen drauf. Also allen nochmals alles Gute für 2012!

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