By the way - die Sportglosse (Nummer 22, 21. Dezember 2011) in Kooperation mit der Wettzentrale

Es weihnachtet. Weniger Mails gehen ein, weniger Anrufe kommen rein. Spannung aus dem Hinrundenfinale der Bundesliga und den Pokalspielen mischt sich mit Fragezeichen im Kopf ob des öffentlich zelebrierten Vergehens des Johannes Heesters, mit ein wenig Anteilnahme am Tod Vaclav Havels, immerhin ein wirklich Großer, mit stolzer Rührung, weil die Kinder mit der Schule so schön Mendelssohn-Bartholdy singen und das so überraschend viel besser klingt, als wenn sie zu Hause, vornehmlich mit der Zahnbürste im Mund, alleine singen, man kotzt jetzt wieder häufig ab, weil Nasse-Füße-Wetter ist – eigentlich könnte also alles sehr schön, sehr ruhig, sehr entspannt sein.

Dass es nicht so ist, dafür haben wir zu unser aller großem Glück einen Bundespräsidenten. Dieser Inbegriff des erhobenen Zeigefingers hat sich jahrelang von reichen Niedersachsen in den Urlaub einladen lassen. Soweit, so schlecht, machen die meisten anderen Politiker auch, und keinen juckt’s. Jucken tut es nur, wenn der Eingeladene MP ist und der Einladende Carsten Maschmeyer heißt. Mit dem gibt’s nämlich immer Ärger, nichts als Ärger. Das muss man als Politiker, zumal als MP, einfach wissen. Vom Maschmeyer immer Finger weg. Und wenn man Bundespräsident ist, dann muss man es ganz besonders gut wissen, dann ist man nämlich moralische Instanz. Höher kann nur der Papst. Eigentlich sollten alle Politiker wenigstens moralische Mini-Instanzen sein, aber hey, mittlerweile wissen auch die Kleinsten, dass Politiker üble Gesellen sind, und sie wissen das völlig zurecht. Ist quasi die Schlüsselqualifikation fürs Politikerwerden. Also nochmal: Ist völlig wurscht, dass Wulff umsonst Urlaub macht, solange er das nicht bei Maschmeyer macht. Und dass er dann auch noch, als die Verflechtungen öffentlich werden, in bester Guttenberg-Salamitaktikmanier scheibchenweise immer ein bisschen mehr einräumt, dafür sollte er geteert und gefedert aus dem Amt getragen werden. Geht’s denn noch?

Und wo wir schon dabei sind: Gleich hinterher getragen wird Kurt Beck, der mit den scharfen Schwertern gegen jegliche Legalisierung von Sportwetten und Poker, die pfälzische Variante des Kim Jong Il, derzeit dabei, Fernsehsender einfach zu verbieten, bloß weil ihm Klaas und Joko nicht gefallen. Und wenn nicht Sender, dann doch zumindest Kanäle. Denn nach Beck sind öffentlich rechtliche TV-Sender wie auch staatliche Lotto-Landesgesellschaften vor allem lukrative Postenmaschinen für allzu versoffen oder sonstwie untragbar gewordene Parteifreunde, die man nicht rausschmeißen kann sondern die man mit Jobs versorgen muss, in denen sie gut verdienen und keinerlei Schaden anrichten können. Teeren und Federn, Beide, und dann auf Eisenbahnschienen aus der Stadt tragen. Dann ist Ruhe. Dann weihnachtet es wirklich. Frohes Fest und einen guten Start ins neue Jahr!

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