By the way - die Sportglosse (Nummer 20, 7. Dezember 2011) in Kooperation mit der Wettzentrale

Aufgeregt schnellen sich dieser Tage die Nachrichten von einer drohenden Herabstufung Deutschlands durch eine Ratinagentur an die Spitze aller Online-Portale, an die erste Stelle aller Radionachrichten und nach Seite 1-Oben-Mitte auf jeder Tageszeitung. Politiker in größter Sorge, Hinterbeine, Zähnefletschen, das können die doch mit uns nicht machen. Ok, alle anderen sind tatsächlich doof bzw. unfähig bzw. unwillig, die richtigen Entscheidungen zur rechten Zeit zu treffen – ABER WIR DOCH NICHT! Wir retten bankrotte Länder, kämpfen am Hindukusch, jagen Piraten vor Somalia, qualifizieren uns ohne Punktverlust zur EM, unser Big Daddy ist eine Frau – da kann uns doch keiner einfach so ein A klauen. Oder haben die Rating-Heinis etwa auch weiche Faktoren in ihre Bewertungsprognose mit einbezogen? Dass zum Beispiel ein obendrein auch noch aus Österreich kommender drittklassiger Youtube-Rapper so ganz nebenbei das Jugendwort des Jahres bei uns einführen kann; oder dass unser Meisterfußballclub in Europa immer als Gruppenallerletzter aus allen Wettbewerben bei der ersten Gelegenheit ausscheidet, oder dass wir in unserem tollen Land die Straßenköter zwar nicht vergasen sondern ihren wild lebenden Vetter Reinecke F. im Asia-Imbiss als Snack verkaufen. However, das mit dem Führungsanspruch Deutschlands funktioniert einfach nicht – never has, never will, um es mit Denny Crane alias Wiliam „The Shat“ Shatner zu sagen. Wir haben einfach nicht den Swag für sowas.

Ebenfalls alles andere als ein Swagger ist DFB-Präsident Theo Zwanziger. Der hat glatt die Nerven verloren ob all der Schiedsrichter-Schmutzwäsche, FIFA-Komplotte und Seilschaften, hat wohl beschlossen, sich jetzt mal so schnell wie möglich aus dem Staub zu machen. Hat dann gedacht, er sei schlauer als die anderen und hat deshalb seine Rücktrittsankündigung am Freitag nachmittag vor der Auslosung rausgehauen. Echt clever gewählt der Zeitpunkt, hat schon was von beneidenswerter, cool-lässiger Ausstrahlung. Am Ende hat Theo total den Swag, und wir merken’s bloß nicht. Sind mental viel zu langsam, blockieren unsere Systeme noch mit der Frage, wer der neue Niersbach wird, wenn Niersbach den Theo macht, was er ja auch nur dann macht, wenn sie ihm die gleiche Kohle geben wie als Generalsekretär; Oder was es zu bedeuten hat, dass wir jetzt immer häufiger vom „Animal Crushing“ lesen, einer Abart des sexuellen Fußfetischismus. Die Engländer scheinen da in Europa führend zu sein. Ob uns da was entgangen ist?

Wir merken ja ohnehin nie was. Haben auch vor ein paar Monaten nix gemerkt, als Trainer Ralf Rangnick angeblich auf Notstrom lief, die Burnout-Keule rausholte und ruckzuck einfach zurücktrat. Nun ist er laut Buddy Horst(le) Heldt wieder bereit für den ersten Arbeitsmarkt, es geht im „sehr sehr gut.“ Nicht mal im Entferntesten sollte man jetzt vermuten, dass da ein lukratives Angebot aus einer lukrativen Branche wie der Fußball-Bundesliga ins Haus geflattert ist, oder dass gar der rasche Abgang auf Schalke vielleicht auch ganz andere Gründe hatte. Streng verboten, das, weil da steht BURN OUT drüber, in Großbuchstaben. Also nach vorne den Blick, nach Hoffenheim oder Stuttgart geschaut, denn da wird der Ralle bald sein Comeback geben, wetten?!

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