By the way - die Sportglosse (Nummer 11, 28. September 2011) in Kooperation mit der Wettzentrale

Es ist ja in Wirklichkeit alles noch viel schäbiger, als man sich selbst in seinen pessimistischen Szenarien so vorstellt. Jeder ist des Anderen Wolf, das wussten schon die Römer. Opportunismus, Machterhalt, Tricksen und Betrügen zum eigenen Vorteil – alle machens. Fall ich in Amerika irgendwo die Treppe runter, und eine der Lampen im Treppenhaus hat nen Wackelkontakt: Schadensersatzklage über 50 Millionen, am Ende gibt’s mindestens 2 Millionen. Rückbau der deutschen Atomkraftwerke durch die Betreiber: mindestens 18 Milliarden, oho. Griechenland muss „gerettet“ werden, weil ja sonst alles, ALLES den Bach runtergeht: 150 Milliarden. Das deutsche staatliche Wettmonopol abzuschaffen kostet laut Betonkopfpolitikern Hunderte von Millionen entgangener Steuereinnahmen, und außerdem vernichtet es natürlich super dotierte Entsorgungsposten bei den Lotto-Landesgesellschaften für unbequem gewordene oder einfach zu versoffene Politiker. Undundund, man kann hinschauen, wo man will, es ist immer überall so. Irgendwo steckt immer jemand dahinter, der abkassiert und/oder rein aus bornierten Prinzipien abblockt.

Schrecklich verbittertes, pessimistisches Menschenbild? Nix da, kein Magengeschwür, kein Verdruss, nur Erfahrung. Kapiert haben, wie es geht, sich zwischen Selbstüberschätzung und Verunsicherung immer für Ersteres entscheiden, das ist die Devise. Und was man als profimäßiger Selbstüberschätzer machen kann, wenn dann doch mal alles zu viel wird, und was man eben nicht machen sollte, das lehrt uns derzeit die Fußball-Bundesliga. Denn die, die es richtig machen, die sagen neuerdings, sie seien müde. Toller Typ, heißt es dann, total bewundernswert, so ne Offenheit, der arme Mann, macht alles richtig. Und die, die es falsch machen, die besaufen sich und zünden ihr Haus an. Schade, nur, dass die Sache einen gewaltigen Haken hat: Außerhalb der Bundesliga gibt es leider kaum Positionen, in denen man einfach so sagen kann, man sei müde. Bzw. kann man schon sagen, ist aber allen anderen völlig wurscht, Finger im Po, Mexiko.

Dann lieber schnell wieder voll auf Selbstüberschätzung schalten und weiter, weiter, immer weiter. Geht nämlich auch, ist nämlich alles gar nicht so schlimm, es finden sich immer wieder kleine Oasen des Friedens und der Glückseligkeit, an denen kann man sich laben. Man kann sich über kleine berufliche Erfolge freuen und über süße Kinder daheim, oder über schöne Tore wie das 1:0 von Real gegen Ajax oder über das „Gemälde eines Abstaubers“ (SZ) von Mario Gomez gegen ManCity. Man kann sich auch total aufregen über die Versager des favorisierten Fußballclubs, hilft auch, lenkt ab. So wie die „Operation Luftklistier“, mit der der westdeutsche Schwimmverband 1976 seine Langsamschwimmer auf DDR-Niveau trimmen wollte. Echt skurril und googelnswert, leider zu lang für hier. Danach geht’s mental gut drauf wieder an das Horten von stangenweise Zigaretten, Konservendosen und Alkohol. Denn wenn tatsächlich alles den Bach runtergeht, dann liegen Gold und Geld auf der Bank, Aktien kann man nicht essen, und es gibt keinen Fußball mehr zur Ablenkung. Wohl dem, der dann noch Saufen kann...

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