By the way - die Sportglosse (Nummer 102, 11. Dezember 2013) in Kooperation mit der Wettzentrale

Leider muss auch in dieser Woche der dickste aller Obersozen ordentlich gebasht werden – und zwar diesmal für sein „wunderbar und beeindruckend“ an die gefühlt 500.000 Schriftsteller, die sich per Print-Unterschriftenaktion für die Verteidigung der Bürgerrechte im digitalen Zeitalter stark machen. Vornerum Süßholz raspeln, und hintenrum die Vorratsdatenspeicherung einführen, das ist Gabriel in Reinform und gehört samt und sonders abgeschafft. Zumindest aus dem Politikbetrieb entfernt. Ob „by design“ oder „by desaster“, das soll an dieser Stelle mal offen bleiben, schließlich ist bald Weihnachten. Aber irgendwie musste dieses neulich zur Frage, wie denn die globalen Probleme zu lösen seien, aufgeschnappte schicke Wissenschaftlerwortspiel hier auch mal erwähnt werden.

Bleiben darf dagegen Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der mit der Fliege, denn mir ist heute morgen aufgefallen, dass der eigentlich genauso aussieht wie Mads Mikkelsen als James Bond-Bösewicht. Hervorragender Auftritt neulich beim Plasberg, so macht Talkshow Spaß. Habe jeden Moment mit einer blutigen Träne gerechnet. Sozenlob, selten hier...

Und da Belgien mittllerweile auch vom kleinsten regionalen Radiosportjournalisten hochoffiziell zum WM-Geheimfavoriten gekürt wurde, da auch die These, wonach BVB-Trainer Klopp quasi mit seinem Latein am Ende sei, den Eingang in die großen Sportteile gefunden hat, und da ein neuerdings spindeldürrer Bode Miller mit 13 Kilo weniger Muskelmasse in allen Tempodisziplinen fortan leider chancenlos ist, können wir uns jetzt wieder den großen Fragen des Lebens zuwenden – heute speziell dem Thema „Entsolidarisierung der Gesellschaft“.

Viele beklagen ja, man finde heutzutage kaum mehr Leute fürs Ehrenamt, das sei früher viel besser gewesen, obwohl die Menschen damals auch viel hätten arbeiten müssen. Aber, abgesehen von immer mehr Informationen, die immer schneller auf uns einprasseln, muss hier und jetzt die Wellentheorie kommen. Diese lautet, stichwortartig: Krieg, Not, Wiederaufbau mit der notwendigen Solidarität, jeder wird gebraucht, dann wachsender Egoismus, Unzufriedenheit, Misstrauen, Besserwisserei, Spannungen, Ausschluss einzelner Gruppen, Sündenböcke, nächster Krieg. Zack. Und das im Advent! Spricht glasklar für die Problemlösung by desaster. Könnte höchstens die Pharmaindustrie helfen, also by design, Happy Pills für alle, denn glückliche Menschen fangen keinen Krieg an. Wenn nur die Tests und Zulassungsverfahren für neue Medikamente nicht so kompliziert wären – auch da war früher nämlich alles besser bzw. aus westlicher Weltsicht einfacher. Da konnten die Pharmariesen ihre Medikamente in aller Ruhe an den Afrikanern testen – während heute die Afrikaner Phase II-Studien an Europäern verlangen, bevor sie ein Medikament bei sich zulassen.

Was soll man sagen, was soll man tun? Wir blicken ratsuchend auf zu unseren großen Anführern, sehen Barack Obama die Hand des Raoul Castro schütteln, und wollen schon Hoffnung haben. Aber dann kommt Sky-Kommentator Wolf Fuss daher und sagt, es sei doch schade, dass für solch schöne Gesten immer erst einer sterben muss. Und dann verliert der FC Bayern. Wenn nicht bald neue Happy Pills kommen, dann werd ich noch zum Gothic, und das vor Weihnachten...

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