By the way bzw 顺便说一下 292 – Habemus Beckenbauer. Und Chinese auch!

Dass der VfB Stuttgart sich glücklich schätzen muss, den wirklich allerbesten Sportvorstand aller Zeiten und Welten in Amt und Würden zu haben, das weiß inzwischen hoffentlich jedes Kind. Denn man darf davon ausgehen, dass alle Erwachsenen, Bürger und Menschen da draußen in den Wohnstuben Samstag Nacht vor der Glotze hocken und diesem unserem besten Sportvorstand ever im ZDF Sportstudio mit vor Erregung angehaltenem Atem dabei zusehen und zuhören, wie er es ihnen gibt. Wie er ihnen erklärt, dass er gar nicht genug zu loben sei, in schwierigstem Umfeld, verkannt, verschmäht, widrige Bedingungen, und natürlich dürfe man auch nicht vergessen, wo wir herkommen. Jedes Wort merken sich die aufmerksamen Erwachsenen, Bürger und Menschen – denn am Sonntag beim gemeinsamen Frühstück können sie das alles ihren Kindern erzählen.

Sie können dann auch erzählen, dass man dankbar sein müsse. Denn zu nichts als Dank sind wir, die ahnungslosen Anhänger dieses Vereins von 1893, verpflichtet. Dank dem Sportvorstand, der im Verbund mit einem gnadenlos erfolgsorientierten Vereinspräsidenten in einer geradezu einzigartig effektiven Profi-Perlentaucher-Aktion diesen jungen Franzosen quasi aus dem Nichts verpflichtet hat, der jetzt endlich wieder in der Innenverteidigung spielt und dessen Aktionen denen des Fußballspielers Franz Beckenbauer so eklatant ähneln. Benjamin Beckenbauer, war das eine Show gegen Eintracht Frankfurt, gleich mehrmals gluckste ich vor Glück. Eigentlich müsste Pavard konsequent kaisergleich mit einem Arm in der Schlinge spielen. Also ernsthaft jetzt. Auch wenn Michael Reschke den jungen Beckenbauer natürlich gar nicht verpflichtet sondern nur verlängert und mit einer sicherlich nicht allzu hohen Ausstiegsklausel versehen hat.

Fast ebenso beeindruckend wie Kaiser Pavard sein Nebenmann Timo Baumgartl. Souverän, mit Schmackes, fehlerfrei, kein einziger Moment der Schwäche, sehr imposant. Es scheint, als habe er jetzt endlich den Sprung gemacht, den ihm viele schon lange zugetraut und den manche kategorisch ausgeschlossen hatten. Immerhin hatten die VfB-Innenverteidiger es am Samstag weniger mit so genannter Laufkundschaft als vielmehr mit Sebastian Haller zu tun, der zumindest mich ganz extrem an Nicolas Anelka erinnert und mit dem Fredi Bobic wohl in nicht allzu ferner Zukunft einen großen Haufen Geldes verdienen wird.

Insgesamt ist zum Spiel des VfB Stuttgart zu sagen, dass das alles ein wenig stabiler aussieht als noch vor ein paar Wochen. Dass alle zusammen kämpfen und rennen. Dass es weniger kapitale Fehler zu beschimpfen gibt – abgesehen von Andi Beck, der Beck-Dinge macht und Emiliano Insua, der auch unter Tayfun Korkut häufig dort ist, wo er nicht sein sollte und deshalb dort fehlt, wo er sein sollte.

Ob die momentane Erfolgsserie nun dem Trainer geschuldet ist oder der Theorie mit den neuen Besen, das wird sich noch zeigen müssen. Unter Jürgen Kramny gelangen in der Abstiegssaison vier oder fünf Siege in Folge, Champions League wurde wieder in Großbuchstaben geschrieben – und das Ende der Geschichte ist bekannt.

Damals hatten wir allerdings einen Schorletrinker als Präsident, und heute haben wir einen Strategen. Wolfgang Dietrich stellt die Weichen auf Erfolg. Er feuert Schindelmeiser und holt Reschke. Und er holt den Daimler. Der ja längst zu guten Teilen den Scheichs aus Kuwait gehört, den heimlichen Herrschern im Weltsport. Und der seit kurzem auch zu zehn Prozent einem Chinesen gehört. Und wenn Adam Riese Recht hatte, dann hält dieser Chinese, Herr Li Shufu, jetzt quasi ein Prozent am VfB. Das ist einer, der kauft mal eben Volvo und bezahlt in bar. 1,8 Milliarden US Dollar, sagen sie. Demnächst also Hund statt Huhn im Businessbereich?

Scheichs, Chinesen, alles am Start beim VfB. Wir sind richtig aufgestellt für eine fantastische Zukunft, Erfolg wird Einzug halten auf dem Cannstatter Wasen. Und falls Herr Li Shufu daheim in China mal in Ungnade fällt und VfB-Präsident werden will, dann wird er einfach noch ein paar Prozent bzw Millionen reinlegen in die AG und in die Taschen aller möglichen Herren, und es wird gut sein und die Mitglieder werden begeistert sein. Außer mir natürlich, und den anderen ahnungslosen Vollidioten...

Zurück