By the way 8 - die N24-Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 8, 02. Oktober 2006)

Eigentlich jammern alle Clubs der deutschen Bundesliga ständig darüber, dass sie zu wenig Geld bekommen, daher keine guten Spieler kaufen und international nicht mithalten könnten. Meistens schreien die Herren Hoeness und Rummenigge aus München am lautesten und zeigen mit dem Finger auf russische Milliardäre und spanische Baulöwen, die ihr Geld mehr so aus Langeweile in die Fußballmannschaften stecken würden, die dem FC Bayern den nächsten Sieg in der Champions League verbauen. Weil nämlich der FC Bayern und auch die anderen deutschen Clubs die Guten seien, die Ehrlichen, die sauber Wirtschaftenden, und Chelsea, Madrid und Konsorten die Bösen, die Misswirtschafter, die Mafia. Anderntags sitzen just Herr Hoeness und Herr Rummenigge mit genau diesen Clubs bzw. deren Vertretern bei der G 14 einträchtig zusammen und hecken Strategien gegen den erklärten gemeinsamen Feind, die FIFA in personam Sepp Blatter, aus.

Dass der FC Bayern weniger Geld hat als Madrid oder Chelsea, das mag durchaus sein. Dass in München ordentlicher Buch geführt wird als anderswo, ist bekannt und verdient durchaus allen Respekt. Dass aber die Argumente der Münchner Clubchefs vielen anderen Bundesligaclubs als Entschuldigung und Feigenblatt für die eigenen miserablen Leistungen dienen, das ist eigentlich ziemlich dreist. Wenn nämlich Hertha BSC mit einem geschätzten Mannschaftswert von knapp 60 Millionen Euro in der ersten UEFA-Cup-Runde rausfliegt gegen die Dänen aus Odense mit einem geschätzten Wert von 5 Millionen, und wenn Schalke 04 mit einem Wert von wohl fast 90 Millionen vorgeführt wird in Nancy (Wert höchstens 20 Millionen), dann sind Unfähigkeit, Überheblichkeit, Selbstüberschätzung und Dummheit anzuführen, aber auf keinen Fall Geld. Da sollten die deutschen Vereine lieber mal über Trainingsfleiß und Einstellung zum Spiel nachdenken und auch darüber, ob sie die Sponsoring- und Anleihenmillionen nicht einfach sinnvoller einsetzen könnten.

Denn für die UEFA-Fünfjahreswertung, die in Deutschland auch meistens als große Ungerechtigkeit gegen die Bundesliga betrachtet wird, für diese zugegeben komplizierte Wertung hätten sowohl Hertha als auch Schalke durchaus ein bisschen mehr beitragen können. Anstatt rumzuheulen darüber, dass man kein Geld hat, sollte man lieber ordentlich spielen. Dann bestünde auch keine Gefahr, dass Deutschland einen weiteren internationalen Startplatz demnächst verlieren könnte. Noch Einer weniger und wir stehen bald ungefähr da, wo Österreich vor ein paar Jahren stand. Nicht, weil zu wenig Geld da wäre. Sondern nur, weil zuwenig Einsatz gezeigt und zu wenig Grips bewiesen wird. Auf dem Platz und in den Chefetagen.

Wer noch nie über zu wenig Geld gejammert hat ist sicherlich Michael Schumacher. Der kann sich in der Tat kaum retten vor all den Millionen, die er verdient. Und auch seine Teams hatten fast nie finanzielle Probleme. Aber eines ist immer klar bei Schumi: Er tut alles dafür, optimale Leistung zu bringen. Da wird in guten und in schlechten Zeiten so professionell gearbeitet wie vielleicht nirgends sonst im Sport. Das Ergebnis solchen Arbeitens konnten wir beim GP von China am Wochenende wieder in aller Ausführlichkeit betrachten: Die Leistung im Qualifying war fahrerisch mit das Beste, was er jemals gezeigt hat, unter widrigsten Bedingungen mit unterlegenen Reifen. Keine Chance, ganz vorne zu stehen, aber bis zur letzten Sekunde alles gegeben und das Optimum rausgeholt. Und im Rennen das Ganze noch mal, bis die Strecke trockener und die Reifen besser wurden. Zum Schluss das Rennen gewonnen und die Führung in der WM übernommen. Mögen muss man den Schumi sicherlich nicht. Aber gönnen muss man ihm seinen Erfolg allemal.

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