By the way 7 - die N24-Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 7, 25. September 2006)

Dass der FC Schalke 04 jetzt wieder ein Popelverein sei, das meinte Ex-Manager Rudi Assauer unlängst über ein Boulevard-Blatt mitteilen lassen zu müssen. Nun ist eine genaue Definition des Begriffs „Popel-Verein“ nirgends aufzutreiben, und wer einen anderen Menschen, Sachverhalt oder auch Fußballverein als „popelig“ bezeichnet, der meint damit im besten Sinne „klein und unbedeutend“. Da der Begriff aber meist zur Schmähung und Herabwürdigung genutzt wird, kann popelig wohl doch eher als „schäbig“ oder noch mieser übersetzt werden. Wer also einen Verein als Popel-Verein öffentlich schmäht, der will eigentlich gleich „Scheiß-Verein“ sagen, weiß aber sehr genau, dass er sich damit ein Gerichtsverfahren einhandeln würde. Im Falle Assauer ist also einerseits festzustellen, dass der alte Rudi schnellstens wieder Abstand gewinnen sollte von seinen Boulevard-Kumpels, weil er sonst als bierseliger Dauermotzki bald von gar niemandem mehr ernst genommen wird. Auf der anderen Seite fällt durchaus auf, dass Assauer entgegen anders lautender Berichte wohl doch noch nicht sein gesamtes Hirn in Alkohol aufgelöst hat. Sonst hätte er nämlich ohne nachzudenken oder auf seine Berater zu hören einfach gleich Scheiß-Verein gesagt. Eines hat die Schalker Petzen-Affäre der vergangenen Woche aber in jedem Falle klargemacht: Viele Fußballspieler müssen nicht allzu schwer an der Last ihrer Hirnmasse tragen. Und wer sich aufführt wie das fleischgewordene Klischee einer zickigen und biestigen Spielerfrau, der sollte sich nicht wundern, wenn ihm fortan nicht mit dem allergrößten Respekt begegnet wird.

Dass insgesamt irgendwo der Wurm drin sein muss in unserem Lande, das wird einem täglich in allen möglichen Lebensbereichen lebhaft vor Augen geführt. Nicht nur Schalke 04, der Sport ganz allgemein ist reich an solchen Indizien. Was z. B. mit dem einst heiß geliebten, seit Ausbleiben des zweiten Toursieges jedoch in Ungnade gefallenen Jan Ullrich passiert, das ist mit unverhältnismäßig noch vornehm beschönigt. Da wird offenbar seitens der Ermittlungsbehörden die Flitterwoche des Ex-Stars genutzt, um Ullrichs Haus aufzubrechen auf der Suche nach DNA-Material. Da wird jeden Tag eine andere Klage, ein anderes Strafverfahren und was noch alles angestrengt und gleichzeitig über die Medien herausposaunt. Es ist, als habe sich Ullrich nicht des Dopings oder einer Art unfeiner Leistungsverbesserungsmethode sondern vielmehr eines Kapitalverbrechens oder gleich Genozids schuldig gemacht. Das hehre, gleichwohl unerreichbare Ziel des sauberen Hochleistungssports wird hier bereits wieder missbraucht, um eigene Profilneurosen zu bedienen und sich selbst in der Zeitung oder im Fernsehen zu sehen. Man sollte doch bitte die Kirche im Dorf lassen und sich statt dessen eher darauf konzentrieren, bessere Kontrollmechanismen zu etablieren.

Dass schließlich Dietmar Hopp sein Fußballstadion mit Erstligaambition nicht in Heidelberg sondern im benachbarten Sinsheim bauen wird, das hatte sich seit längerem bereits abgezeichnet. Dass aber der zuständige Baubürgermeister der Stadt Heidelberg das Stadionprojekt von Anfang an öffentlich und nichtöffentlich torpedieren konnte – auch gegen den erklärten Willen seiner Oberbürgermeisterin, das ist schon ein starkes Stück. Dass sich derselbe Baubürgermeister nach Bekanntwerden der Entscheidung gegen Heidelberg und für Sinsheim aber in aller Öffentlichkeit feixend und triumphierend zeigte und äußerte, das sollte nicht einfach unter den Tisch fallen. Gar zu unverschämtes Intrigieren und Hintertreiben sollte für die Bekleider öffentlicher Ämter eigentlich zum sofortigen Rücktritt führen. Da dies jedoch eine unrealistische Aussicht ist bleibt nurmehr die Hoffnung, dass der Mann irgendwann die Rechnung präsentiert bekommt für sein Verhalten. Vom Wähler vielleicht, oder von der Öffentlichkeit. Das mag zwar eine romantische Hoffnung sein, aber die Romantik war ja bekanntlich immer schon gerne zu Gast in Heidelberg.

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