By the way 6 - die N24-Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 6, 18. September 2006)

Ein niegelnagelneues Fußballstadion, topmodern, Parkplätze drumherum, Baukosten ca. 40 Millionen Euro, dazu noch infrastrukturelle Maßnahmen für weitere 20 Millionen Euro, das Ganze komplett finanziert und schlüsselfertig hingestellt als Geschenk – beneidenswert die Stadt, der solch ein Angebot gemacht wird. Beneidenswert die Stadt Heidelberg, der solch ein Angebot tatsächlich gemacht worden ist.

Nur ein paar Kilometer entfernt von Heidelberg trägt die TSG Hoffenheim derzeit ihre Heimspiele in der Regionalliga Süd aus. Mäzen und Motor der TSG Hoffenheim ist seit Jahren der SAP-Gründer Dietmar Hopp, der bekanntlich das Ziel hat, seinen Club in absehbarer Zukunft in der Bundesliga spielen zu sehen. Für dieses ehrgeizige Projekt wurden die besten Fachleute verpflichtet, die zu bekommen waren auf dem Markt. Mit Ralf Rangnick ein Trainer, der hervorragende Referenzen hat im Aufbau junger Teams, mit Jochen Rotthaus ein bundesliga-erfahrener Manager, und zuletzt mit Bernhard Peters ein Hockey-Doppelweltmeister-Sportdirektor, den bereits Jürgen Klinsmann für die Nationalmannschaft haben wollte, dem statt dessen Matthias Sammer untergejubelt wurde und der wohl nicht zuletzt deshalb den Job kündigte.

Herr Hopp pflegt seine Vorhaben für gewöhnlich zu großem Erfolg zu führen, und so dachte er sich, das international bekannte Heidelberg, Heimstatt einer der ältesten europäischen Universitäten, sei ein geeigneter Standort für den Club, den er in die Bundesliga führen will. Dafür werde er den Namen des Clubs ändern in FCH Heidelberg 06, und natürlich werde dieser Club in einem erstligatauglichen Stadion spielen – einem Stadion, welches er finanzieren und auf der grünen Wiese vor der Stadt, direkt an der Autobahn, bauen werde mitsamt infrastruktureller Maßnahmen drumherum.

Aber da hatte Herr Hopp die Rechnung ohne Heidelberg gemacht. Heidelberg nämlich meint, kein Stadion und keine Bundesliga zu brauchen. Da würden dauernd besoffene Fußballfans randalierend um die Häuser ziehen und in den Vorgärten braver Bürger ihr Geschäft verrichten, da würden so viele Autos kommen, dass die Umwelt verschmutzt werde, da würde sich wegen des hohen Gebäudes an entscheidender Stelle die Frischluftzufuhr für die Heidelberger Altstadt verschlechtern (!) und überhaupt – als Stadt habe man keinerlei Fußball-Tradition und daher sei das Ganze abzulehnen. In Leserbriefen in der örtlichen Tageszeitung schreiben haufenweise Bürger dem Herrn Hopp vor, welche Projekte er statt eines Stadions gefälligst zu finanzieren habe, man selbst jedenfalls habe solcherlei Gaben überhaupt nicht nötig. Nichts Positives ist zu hören oder zu lesen von Entscheidungsträgern in Heidelberg, nicht einmal die Oberbürgermeisterin Beate Weber ringt sich ein klares Bekenntnis zum Stadion ab. Man laviert und nörgelt, lässt sich bitten und meint offenbar in grenzenloser Selbstüberschätzung, Herr Hopp werde sich niemals für einen anderen Standort als Heidelberg entscheiden, Herr Hopp müsse eben warten, bis in Heidelberg alle Fragen geklärt und alle Widersprüche ausgeräumt seien, und dieses brauche nun mal seine Zeit.

Vor dem zuständigen Gremium, dem Heidelberger Stadtrat, berichtet Baubürgermeister von der Malsburg, für infrastrukturelle Maßnahmen seien mindestens 20 Millionen Euro von der Stadt zu finanzieren, und die Stadt habe dieses Geld nicht – drei Tage zuvor hatte ihm Herr Hopp bestens unterrichteten Quellen zufolge persönlich zugesichert, ebendiese 20 Millionen selbst zu übernehmen.

Herr Hopp sagt, er werde sich in den nächsten Tagen, spätestens aber bis zum 30. September, für einen definitiven Standort entscheiden. Derweil sucht er andere Bauplätze für sein Projekt. Wie zu hören ist, hat er über Mittelsmänner bereits alle nötigen Flächen aufkaufen lassen - in Sinsheim, auch direkt an der Autobahn. Hoffenheim ist eine Art Stadtteil von Sinsheim. Dort freut man sich, die zuständigen Gremien beeilen sich, Herrn Hopp mit offenen Armen willkommen zu heißen.

Natürlich gibt es in Heidelberg viele Leute, die sehr gerne ein Fußballstadion hätten mit Bundesliga drin. Aber solange Heidelberg derart bornierte Entscheidungsträger hat, hat es wohl kein Stadion verdient. Derart bornierte Entscheidungsträger hat allerdings keine Stadt verdient.

Zurück