By the way 49 - die Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 49, 29. September 2008)

Hoffenheim ist in – zumindest in Sachen Fußball. Eine Bugwelle der Sympathie schwappt dem Noch-Provinzclub voraus, und wer als Fan auf der Tribüne irgendetwas Komisches sagt über Mäzen Dietmar Hopp, der muss unter Umständen mit drakonischen Strafen rechnen.

Im nahen Heidelberg kratzen sich die Fußballfans derweil wund vor Ärger darüber, dass die Stadtoberen und sonstigen Verantwortlichen und Zuständigen es nicht geschafft haben, sich das komplette Stadion und Großteile der zugehörigen Infrastruktur von Herrn Hopp schenken zu lassen. Mit jedem spektakulären Auftritt der jungen Offensivkönner um Trainer Ralf Rangnick wird diesen Leuten klarer, welch einmalige Chance sie – diplomatisch ausgedrückt – versaubeutelt haben. Möge ihnen ihr schlechtes Gewissen für den Rest ihres Lebens den Schlaf rauben.

Was neben tollem Fußball in Hoffenheim derzeit zu beobachten ist, das ist ein Lehrstück in Sachen fußballerischer Personalpolitik. Aufgeführt wird die Entfernung des Rambo Özcan aus dem Hoffenheimer Tor zugunsten von Timo Hildebrand, dem Unglücklichen aus Valencia.

Verhandelt haben sie wahrscheinlich schon vor Monaten, man kennt Hildebrand gut aus vergangenen Stuttgarter Tagen. Für einen angemessenen Zeitraum ist aber vom Drehbuch vorgeschrieben, jegliche Absichten in dieser Angelegenheit zu dementieren und Treueschwüre für den aktuellen Torwart abzugeben. Den für einen halbwegs gerechtfertigten Wechsel nötigen Leidensdruck besorgen dann die Medien mit Spekulationen und plötzlich hervor gekramten Berichten von Augenzeugen, die Özcan schon während der EURO 2008 im Training mit der Österreichischen Nationalmannschaft beobachtet und erschreckend schwach gesehen hatten. Der Torwart selbst kriegt wenig zu tun während seiner Einsätze, und das Wenige, das auf sein Tor kommt, das ist meist auch gleich drin. Vielleicht ist er wirklich nicht gut genug für einen Club mit Ambitionen.

Ob Timo Hildebrand die Hoffenheimer Abwehr wirklich verstärken kann, das ist alles andere als sicher. In Valencia war das Umfeld für ihn zwar denkbar widrig, aber überzeugende Leistungen hat er dort auch kaum gezeigt. Nicht wenige Stimmen waren zu vernehmen, man habe selten einen schlechteren Torwart in der Primera División gesehen. Man sollte also keine Wunderdinge erwarten von Timo Hildebrand – wenn er nicht ohnehin im Winter zum FC Bayern wechselt.

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