By the way 48 - die Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 48, 31. März 2008)

Mario Gomez ist ein spektakulärer Fußballer, und der VfB Stuttgart kann sich glücklich schätzen, einen solchen Spieler in seinen Reihen zu haben. Trotz zwischenzeitlicher Verletzungen inklusive längerer Pause hat Gomez den VfB quasi im Alleingang in Sichtweite zu einem Platz im internationalen Wettbewerb gehalten – in einer ansonsten relativ lausigen Saison als Deutscher Meister.

Auffällig an Gomez ist neben seiner Spielweise auch sein Auftreten abseits des Platzes. Wer sich noch erinnern kann an die Saison 2003/2004, mit den tollen Champions League-Spielen und einem schüchternen 10-Minuten-Einsatz des ganz jungen Mario gegen Chelsea, der muss sich die Augen reiben, wenn er Gomez heute sieht – mit einer Frisur wie Robert de Niro als Noodles in „Es war einmal in Amerika“, mit dem Blick in der Ferne wie O. Kahn zu besten Zeiten, vor Selbstbewusstsein strotzend und sich der eigenen Stärke zu 100 Prozent bewusst.

Damals verstolperte im VfB-Sturm noch Kevin Kuranyi die Bälle. Fans begannen damals, ihn Averell zu nennen, wegen augenfälliger Parallelen zu Averell Dalton, dem größten der Dalton-Brüder aus Lucky Luke. Gleichwohl war klar, dass Kuranyi besser war als die meisten anderen deutschen Stürmer, und dass er auch international Karriere würde machen können. Dass er zu wenig draus gemacht hat, dass er völlig zu recht nicht bei der WM war, und dass er hoffentlich auch nicht zur EM fahren wird, das wird jeder verstehen, der Kuranyi derzeit spielen sieht. Ein Jammer.

Aus Mario Gomez wird mehr werden. Von seiner Spielweise ist er dem Averell zwar nicht unähnlich, aber er ist körperlich bedeutend stärker und hat mehr Zug zum Tor. Ob auch der Kopf da mithalten kann, das muss sich erst noch herausstellen – aber die Anzeichen sind gut.

Ob Gomez in der nächsten Saison noch in Stuttgart spielen wird, das ist dagegen alles andere als sicher. Zuletzt mehrten sich die Signale dafür, dass er sich für zu stark hält für sein aktuelles Team. Und wenn er eine gute EM spielt und frei von Verletzungen bleibt, dann kickt er vielleicht schon im September in Spanien – und der VfB kann sein neues bzw. umzubauendes Fußballstadion von der sicherlich nicht unbedeutenden Ablösesumme mitfinanzieren.

Für den Moment ist diese Ablösesumme schon allein dadurch wieder um ca. fünf bis zehn Millionen Euro gestiegen, dass Real Madrid angeblich Interesse bekundet hat am VfB-Jungstar. Und mit etwas Phantasie kann man sich leicht vorstellen, wie dieses Interesse zustande gekommen ist. Denn VfB-Trainer Armin Veh ist ein alter Kumpel von Real-Trainer Bernd Schuster aus gemeinsamen Augsburger Zeiten. Da hat also doch sicherlich der Armin zum Bernd gesagt, er solle jetzt einfach mal sagen, dass er den Gomez kaufen will. Egal, ob das stimmt oder nicht. Egal, ob er daneben auch den Benzema, den Huntelaar und ca. 13 weitere Topstürmer kaufen will. Einfach so, von Augsburger zu Augsburger.

Mario Gomez wäre die Zukunft bei einem Topclub durchaus zu wünschen – wer allerdings dann die Tore für den VfB Stuttgart schießen soll, das steht in den Sternen.

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