By the way 47 - die Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 47, 18. Februar 2008)

Irgendwie ist nicht so recht was los derzeit in der Welt des Sports. Natürlich stehen zahlreiche Events bereit, im TV angeschaut oder in anderen Medien verfolgt zu werden, aber auch die nach wie vor spitzenmäßigen Moderationen von Sigi Heinrich bei der Biathlon-WM auf Eurosport konnten einen nicht wirklich aus einer gewissen Schläfrigkeit herausreißen. Vielleicht hat man zuviel Aufmerksamkeit in die US-Vorwahlen investiert, und für Sport war dann kein Platz mehr. Ob die Zumwinkel-Geschichte da hilfreich ist?

Immerhin kurz aufmerken konnte man unlängst bei der Meldung, es läge eine neue Anzeige gegen die Wiener Blutbank Humanplasma bzw. den dort teilweise tätigen Paul Höcker vor, und eine Liste mit 30 Sportlern befinde sich in der Hand der Ermittler. Diese Meldung hat zumindest Potential für die Wiederauffrischung eines veritablen Dopingskandals, der aus sicherlich nicht nur idealistischen Beweggründen und trotz positiven Befundes einer prominenten Biathletin derzeit wieder unter den Teppich gekehrt wurde. Ohne spezielle Details zu kennen musste man sich schon wundern, wie schroff die ARD ihren Dopingexperten Hajo Seppelt nach dessen letzten Recherchen aus der Öffentlichkeit genommen hat. Dass Seppelt unbeweisbare Behauptungen aufgestellt haben soll, fällt schwer zu glauben, den der schon seit vielen Jahren die Verhältnisse anprangernde Seppelt wurde bereits früher sehr schlecht behandelt, sobald er das Wort Doping auch nur aussprach – und zwar nicht von russischen Mafiabanden sondern just von den Leuten, die der Mann eigentlich auf seiner Seite wähnen musste.

Nur eine Meldung mit Perspektive, ansonsten Lethargie. Zeit also für den nächsten Knaller, und für die Lieferung eines Solchen ist natürlich der FC Bayern München geradezu prädestiniert. Die Klinsmann-Verpflichtung war so ein Knaller. Ein Knaller mit Perspektive sogar – denn mit Herrn Klinsmann war und wird das spannend und höchst unterhaltsam werden für Bayernfans und Bayernhasser, also eigentlich für alle Fußballfans im Lande.

Und beim Betrachten des Herumfuhrwerkens des FC Bayern letztens im UEFA-Pokal in Aberdeen beschlich einen urplötzlich das Gefühl, der Jürgen Klinsmann schaut sich auch das Spiel an, und dem Jürgen Klinsmann gefällt der Rensing nicht im Bayern-Tor. Dem Klinsmann hat der Rensing nicht genug Format für den Sieg in der Champions League. Der Klinsmann wird zur nächsten Saison einen neuen Keeper holen, und zwar Timo Hildebrand vom FC Valencia. Torwartdiskussion in der Nationalmannschaft, landesweiter Argwohn gegen schwäbische Seilschaften, es wird einen Aufschrei geben. Vielleicht sogar zurecht, denn so viel besser als Rensing ist Hildebrand wahrscheinlich gar nicht. Ein bissle halt, wie der Schwabe sagt. Und dass dieses „Bissle“ eben den Unterschied machen kann, das haben sie auch beim VfB Stuttgart gemerkt, nachdem Hildebrand weg war.

Zweifler an der hier skizzierten Hildebrand-Theorie seien übrigens auf By the way Nr. 17 vom 18. Dezember 2006 hingewiesen. Damals hatte man ein unscheinbares Interview von Jürgen Klinsmann gelesen – und dann beschlich einen das seltsame Gefühl, als werde ebendieser Klinsmann in gar nicht allzu ferner Zukunft Trainer des FC Bayern.

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