By the way 45 - die Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 45, 22. Oktober 2007)

Dass die Deutsche Fußball-Liga DFL die Vermarktung der TV-Rechte an der ersten und zweiten Bundesliga ab 2009 wieder in die Hände des greisen Leo Kirch gibt, das ist schon bemerkenswert. Vor dem Hintergrund der seltsamen Rechtevergabe an Arena und dem mindestens ebenso seltsamen Intermezzo mit tm3 stellt man sich als interessierter Beobachter nun erst recht die Frage nach den Beweggründen der Beteiligten in diesem Milliardenspiel.

Bei der Beantwortung dieser Frage gilt zunächst einmal die Maxime „Geld macht blind“. Denn blind waren jüngst ganz offensichtlich die Vertreter der Proficlubs, die das von Kirch-Intimus Dieter Hahn präsentierte Vermarktungsangebot laut Medienberichten bei einer Gegenstimme aus Hamburg ziemlich ungeprüft akzeptierten. Manchmal sind spontane Entscheidungen sicherlich angebracht – aber wenn es um derartige Unsummen geht, noch dazu vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit Kirch aus den vergangenen Jahren – da kann man nur den Kopf schütteln über soviel ignorante Geldgeilheit und Scheuklappenmentalität. Immer vorausgesetzt es stimmt, was so zu lesen und zu hören ist in den Medien.

Maßgeblich die Verhandlungsrichtung in dieser Sache gesteuert hat schon kraft Amtes die DFL-Geschäftsführung um Christian Seifert und Tom Bender. Dass die Herren Geschäftsführer an dem Deal üppig mitverdienen, das steht bislang noch nirgends geschrieben. Und sicherlich kann man so etwas auch nicht unbelegt behaupten. Was man aber hoffentlich behaupten darf ist, dass man irgendwie das Gefühl hat, die Herren gehen bei all den Milliarden im Spiel auch nicht ärmer nach Hause als zuvor. Nicht zum ersten Mal wahrscheinlich, denn bei der Arena-Vergabe wurde das Ganze schon einmal durchexerziert. Und dass der bislang aus welchen Gründen auch immer als untadelig geltende Dr. Rauball dieses Spiel so begeistert mitspielt, das kann man – so von außen, ohne Kenntnisse der Interna – eigentlich kaum fassen. Scheinbar gilt aber auch hier die bereits erwähnte oberste Maxime, gepaart diesmal mit einer guten Portion Skrupellosigkeit.

Und schließlich fragt man sich auch, warum die DFL ganz offensichtlich ein solch unstillbares Verlangen danach hat, den TV-Sender Premiere kaltzustellen. Schon bei Arena war das Scheitern allzu voraussehbar. Ganz zu schweigen vom einstigen tm3-Projekt. Wollen Kirch/Hahn Premiere von der TV-Landkarte tilgen, um alte Rachegelüste zu befriedigen? Ist DFL-Geschäftsführer Bender die treibende Kraft? Schließlich ging er seinerzeit als einer der Ersten von Premiere zu tm3. Wer will da alte Rechnungen begleichen und findet mit den arglosen Clubvertretern willige Helfer?

Sicherlich sind Tricksereien und ungesunder Opportunismus allen Beteiligten auf beiden Seiten dieses Pokers zuzutrauen. Aber Premiere hat für die Öffentlichkeit täglich nachvollziehbar seit Jahren eine kompetente, umfassende und weitgehend unabhängige Berichterstattung zur Bundesliga geboten. Nicht, dass das alleine ausschlaggebend sein sollte für eine Neuvergabe der Rechte. Aber angesichts der Tatsache, dass bereits zwei Versuche mit anderen Sendern auf miserabelste und noch dazu vorhersehbare Art und Weise gescheitert sind, sollte man vor einem dritten Versuch doch bitteschön genauer hinschauen. Wie soll finanziert werden, wo soll denn das ganze Geld herkommen? Wie realistisch ist es, selbstproduzierte fertige Bilder an die meistbietenden Sender zu verkaufen?

Und falls das ganze Szenario tatsächlich nur dazu dienen sollte, alte Rechnungen zu begleichen und hier und da ein Täschchen zu füllen, so ist zu hoffen, dass dem ganzen Zauber möglichst rasch ein Ende bereitet wird.

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