By the way 41 - die Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 41, 20. August 2007)

Gerade ist in Mannheim die Europameisterschaft der Springreiter zu Ende gegangen, und vor lauter Fußball Bundesliga im Allgemeinen und Franck Ribery im Besonderen hat man als gegenüber dem Reitsport eher neutral eingestellter Mensch davon nicht allzu viel mitbekommen. Allerdings ruft ein Blick auf die Ergebnisse von Mannheim in einem Hirn voller Sportergebnisse mühelos Erinnerungen an ein Thema hervor, das in diesen Tagen nach monatelangem medialem Dauerfeuer gerade mal eine kleine Verschnaufpause eingelegt hatte. Das Thema Doping – für gemeinhin das Doping von menschlichen Leistungssportlern. Und wenn man den bei allen möglichen Reitturnieren stets präsenten Namen Beerbaum liest, dann macht es auch schon Klick im Kopf.

Klick macht es bei Ludger Beerbaum, Dritter der aktuellen EM, weil der bei Olympia 2004 mit seinem Pferd Goldfever positiv getestet wurde. Hatte natürlich zunächst einmal alles abgestritten, dann notgedrungen eine unerlässliche Medikation mit einer verbotenen Substanz angeführt. So machen es die asthmakranken Radfahrer, und so ähnlich machte es ja wohl auch der nette Herr Baumann mit seiner Zahnpasta. Beerbaum räumte damals sogar noch ein, er habe gewusst, dass die benutzte Substanz verboten war. Er sei aber fest davon ausgegangen, dass die Substanz nicht positiv auffallen würde bei den Tests. Sei ja bis dato auch niemals aufgefallen. Diesen weithin in Vergessenheit geratenen Einblick in die Welt des Dopings im Reitsport gab uns Ludger Beerbaum 2004 – in Mannheim 2007 wurde er auf demselben Pferd Dritter.

Klick macht es natürlich auch bei seiner Schwägerin Meredith Michaels-Beerbaum, der frisch gekürten Europameisterin. Diese bzw. ihr Pferd Shutterfly war ebenfalls im Jahre 2004 positiv getestet worden auf ein Abbauprodukt eines verbotenen Beruhigungsmittels. Irgendwie sind die beiden aber halbwegs heil rausgekommen aus der Geschichte, weil am Ende irgendwelche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Tests geltend gemacht werden konnten.

Auch nach ganz aktuellen Dopingfällen im Reitsport muss man nur wenige Sekunden suchen: Daniel Deusser, Jessica Kürten, Pia Luise Aufrecht – allesamt Spitzenreiter mit Spitzenpferden, allesamt ordentlich verstrickt in zweifelhafte Methoden zur Steigerung der Leistungsfähigkeit ihrer Pferde.

Die Frage nach den übertragenden TV-Sendern dieser Mannheimer Europameisterschaft inklusive einer Einzelwertung, in der sowohl die Erste als auch der Dritte ganz massive dunkle Flecken haben auf der weißen Doping-Weste, diese Frage muss man sich gar nicht erst stellen. Natürlich sind es unsere Öffentlich-Rechtlichen, die Stoßtruppen im Antidopingkampf, die noch bei der Tour de France mit großem Geschrei kurzzeitig aus der Übertragung ausgestiegen sind. Dabei braucht das Mannheimer Podium in Sachen Dopinglast den Vergleich mit den ersten Drei der Tour oder mit dem Podium eines hochklassigen 100 Meter-Laufs keineswegs zu scheuen. Aber ARD und ZDF waren sich der Tragweite ihres Übertragungsboykotts bei der diesjährigen Tour genauso wenig bewusst, wie die betroffenen Sportverbände sich der Gefahr bewusst sind, in der sie selbstverschuldet schweben. Bei den Reitern ist diese Gefahr nur eben nicht so groß und existenziell wie zB bei den Langläufern oder den Radprofis – die Reiter sind überwiegend reiche Leute, die sich ihren Sport und den Wettkampf untereinander wahrscheinlich auch ohne Sponsoren auf einem Privatgelände leisten würden. Was ihnen ohne Sponsoren jedoch verloren geht ist die Bestätigung und Beweihräucherung ihrer ausgeprägten Egos durch die TV-Übertragungen der großen Sender. Denn die berichten bislang zwar trotz vollmundiger Kampfansagen munter weiter von dopingverseuchten Disziplinen aller Art, aber der medial lautstark verkaufte Ausstieg mehrer Sponsoren würde sicherlich auch unsere Bildschirme schneller dunkel werden lassen als zehn spektakuläre neue Dopingfälle auf einmal.

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