By the way 40 - die Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 40, 13. August 2007)

Der Saisonauftakt des FC Bayern München kann als rundweg gelungen bezeichnet werden. Die Arena laut Stadionsprecher zum 45sten Mal in 53 Spielen ausverkauft, alle spektakulären Neuverpflichtungen in der Startformation, ein Gegner, der schlechter nicht sein könnte und folgerichtig ein flottes Trainingsspielchen, in dem die Cracks aus München ihr großes Können mehrmals locker demonstrieren konnten. Jetzt steht das Team gleich nach dem ersten Spieltag da, wo es viele auch während der nächsten 33 Spieltage sehen – ganz oben in der Tabelle.

Ihr Können ebenfalls schleunigst demonstrieren sollte jedoch die Münchener Anhängerschaft. Denn was die so zu bieten hatte zum ersten Spiel der Liga, zum Aufgalopp des spektakulären Teams, das war erneut wenig meisterlich. In einem Stadion, dessen Anblick von außen auch dem überzeugtesten Bayern-Hasser eine Gänsehaut verursachen dürfte, und in dessen Inneren eine Akustik herrscht, gegen die ein griechisches Amphitheater einpacken kann, in solch einem Traumhaus entfachen die Bayern-Fans eine Atmosphäre, gegen die noch die Aktionärsversammlung der Allianz ein Stimmungsfeuerwerk ist.

Rummenigge mühte sich zwar nach Kräften, eine gute Stimmung bemerkt zu haben – dass aber die Fans des FC Hansa Rostock für eine Ewigkeit von ca. fünf Minuten komplett ungestört „Scheiß FC Bayern“ singen durften, das war schon bemerkenswert. Das war im Übrigen auch die lauteste Faneinlage des gesamten Spiels. Von den Bayernfans hinter den beiden Toren war außer einem müden „Ihr da oben“ – „Ihr da unten“ rein gar nichts zu hören. Als Gast im Stadion erfährt man daher bereits nach kurzer Zeit eine gewisse Desillusion, wenn die gewaltige Kulisse aus 70.000 Menschen in einem wunderbaren Stadion sich trotz sehr ansehnlichen Bayern-Spiels als derart laues Lüftchen erweist. Das geht sicherlich nicht nur dem Gast auf der Tribüne so – auch die Spieler der Gästeteams dürften so schnell den Respekt vor dem hohen Haus verlieren und sich ganz auf ihre Leistungen auf dem Rasen konzentrieren können.

Die Spieler des FC Bayern selbst dürften ebenfalls nicht gerade profitieren von der mauen Stimmung. Natürlich ist Fußball für den Profi eine Art Dienstleistung. Aber wenn es so ganz ohne Leidenschaft abgeht, Woche für Woche kein Brodeln, kein Orkan an Gesängen, Pfiffen und Jubelgesängen, wenn man einfach rausgeht und nüchtern seinen Beruf ausübt, dann fehlen einem irgendwann einmal die paar Prozent an Leistung, die nur über das Adrenalin im Körper aktiviert werden können. Das Kribbeln, das einen erfasst, wenn man „sein“ Spielfeld betritt, das Wissen auch, von einer geilen Kulisse richtig unterstützt zu werden, das lässt einen doch die Sache irgendwann ganz anders angehen.

Und da eine solche Atmosphäre bei den Bayern seit vielen Jahren nicht vorhanden ist und wohl auch in dieser Saison nicht vorhanden sein wird, daher können sich die potentiellen Mitbewerber um die Deutsche Meisterschaft durchaus noch Hoffnungen machen. Auch wenn der FC Bayern das beste Stadion hat und die beste Mannschaft, so wird es doch immer wieder ein Team geben, das der Münchener Megatruppe ordentlich die Schau stehlen kann. Nicht, weil sie die besseren Spieler hätten. Sondern einfach nur, weil die Bayern zuhause von der eigenen Routine als Superstar-Dienstleister im Superstadion ohne Stimmung eingelullt werden.

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