By the way 39 - die Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 39, 06. August 2007)

Es ist wirklich allerhöchste Zeit, dass die Bundesliga wieder losgeht. Hier finden wir Zerstreuung, hierhin können wir uns zurückziehen in eine Art Parallelwelt, wenn es uns mal wieder zu bunt wird in der nichtsportlichen deutschen Lebenswirklichkeit.

Solange man sich mit Bundesliga beschäftigt, denkt man nämlich nicht darüber nach, warum Max Strauß nun freigesprochen wurde und auch noch eine Entschädigung erhält. Denkt man über Aufstellungen und Saisonziele nach, so kann man sich nicht gleichzeitig überlegen, wer sich alles die Taschen voll macht im Rahmen des Rechtsstreits zwischen Toll Collect und dem Bundesministerium. Und wer im Stadion ist oder vor dem Fernseher Fußball schaut, der regt sich auch nicht so sehr darüber auf, dass wir eigentlich überhaupt keinen Sommer haben sondern nur einen heißen April, der direkt in einen unendlichen Herbst übergegangen ist.

Zu gefährlichen Überschneidungen mit der Restwelt kommt es nur dann, wenn man sich fragt, was der kurzzeitige Wechsel von Premiere zu Arena eigentlich sollte – Vergleiche mit Toll Collect bieten sich an, und der smarte DFL-Geschäftsführer erscheint einem plötzlich mit von dicken Geldbündeln ganz ausgebeulten Anzugtaschen.

Aber am Freitag ist das erste Spiel, der VfB Stuttgart hat einen guten Kader und wird eine ordentliche Saison spielen. In der Champions League wird man zwar nicht allzu weit kommen, aber ein Gruppenheimspiel gegen Real Madrid ist doch auch schon mal was. Trainer Armin Veh ist fest von den Königlichen als Gruppengegner überzeugt, weil er seinerzeit in Augsburg jahrelang mit Bernd Schuster zusammenspielte und ihm neulich irgendwann einfiel, dass man sich immer zweimal sieht im Leben. Der Zeitpunkt der erneuten Kreuzung der Lebenswege beider Herren sei jetzt gekommen, weissagt der VfB-Trainer, und ein Spiel des Deutschen Meisters gegen Madrid ist ja nun auch keine allzu unangenehme Vorstellung.

Der Meister wird an dieser Stelle übrigens „nur“ zuerst genannt, weil dies sich einfach so gehört. Meister wird schließlich immer die Mannschaft, die die meisten Punkte holt in einer Saison und folglich auch die beste Mannschaft ist. Wie bei der Tour de France – da gewinnt am Ende der Fahrer, der insgesamt am schnellsten unterwegs war. Allerdings ist das Thema Tour derzeit ähnlich attraktiv wie Max Strauß, weswegen wir uns schnell wieder dem Fußball zuwenden und damit dem Club, der fast ausschließlich die Schlagzeilen der vergangenen Monate beherrschte – auch wenn die laufende Champions League-Runde ohne ihn stattfindet. Der FC Bayern München, festgeldtechnisch reichster Club der Welt, kauft die besten Spieler der Welt und steht bereits vor Saisonstart eigentlich als nächster Meister und Champions League-Gewinner fest. Dass außer dem neuen Superstar Ribery und vielleicht Schweinsteiger keiner das Spiel machen kann, das scheint niemand zu kümmern. Da darf man gespannt sein, ob auch der ewige Ze Roberto und die Herren Dos Santos und Sosa den Ansprüchen genügen können. Normalerweise brauchen Südamerikaner beim FC Bayern nämlich mindesten fünf Jahre Eingewöhnungszeit.

In diesem Zusammenhang besonders spannend wird die Reaktion von Uli Hoeness auf das erste rüde Foul gegen Ribery sein. Wird Hoeness das Spielfeld stürmen und Selbstjustiz noch an Ort und Stelle üben, oder wird van Bommel in seinem Auftrag Präventivschläge führen? Welche Strafen wird Bayern fordern für diejenigen Spieler, die Ribery foulen? Werden die Konten der Spieler gepfändet, die Ribery verletzen?

Und was machen die Bremer, Schalker, Magath in Wolfsburg? Hat Ailton sich sein lustiges Kauderwelsch bewahrt?

Viele Details mit hohem Entertainment warten auf uns. Wer denkt da noch an Toll Collect?

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