By the way 350 – von rattenscharfen und weniger rattenscharfen Projekten. Also von BALLWALL und vom VfB. Und vom Blutdruck auch...

Als ich wieder aus dem Tunnel kam, war das erste Türchen am Adventskalender schon offen, die Schokolade gegessen, die erste Frage bei Heinz Kamkes schon zu Lebzeiten zumindest selig gesprochenem digitalen Adventskalender beantwortet, mein Blutdruck war hoch und das Cholesterin weit rechts außerhalb der Skala.

Wer jetzt aber meint, ich hätte mich allzu sehr über den VfB Stuttgart aufgeregt, der liegt denkbar weit daneben. Denn worüber sollte man sich aufregen beim VfB? Darüber, dass die Truppe seit Jahren fast ausschließlich miserabel kickt? Das wäre unklug, denn dann wäre man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit längst dem Schlaganfall oder Herzinfarkt anheim gefallen. Und auch der derzeit offiziell herrschende Präsidentschaftswahlkampf beim Verein von 1893 ist weit davon entfernt, ein Wahlkampf zu sein und daher auch kein Grund zur Aufregung. Keiner zeigt klare Kante, es wird eher geschmust als gestritten, Konzepte, falls es solche überhaupt gibt, bleiben unter Verschluss.

Statt dessen reden beide Kandidaten, Claus Vogt und Christian Riethmüller, bevorzugt über Themen, die vom Profifußball so weit weg sind wie Mario Gomez von der Torjägerkanone. Nicht, dass gegen den Frauenfußball auch nur ansatzweise irgendwas zu sagen wäre – aber hey, warum fragt eigentlich niemand unsere beiden Kandidaten mal nach ihren Vorstellungen rund um die Fußball-Bundesligamannschaft, um die VfB AG, um all das, weswegen der VfB 70.000 Mitglieder hat? Oder hat er diese 70.000 Mitglieder wegen der Abteilungen Garde, Schiedsrichter und Tischtennis (ohne auch nur ansatzweise gegen diese Abteilungen irgendwas sagen zu wollen, warum auch?)?

Für die beiden Kandidaten selbst ist das gar nicht mal unbequem – so kommen sie nicht in die Verlegenheit, auch mal polarisierende Sachen sagen zu müssen, irgendwelchen Leuten vielleicht sogar mal auf den Schlips treten zu müssen, womöglich sogar Leuten, die aus Verein und AG heraus genauso weiter die Strippen ziehen, wie sie es seit vielen Jahren schon machen beim VfB, mit dem durchschlagenden Erfolg zweier Abstiege innerhalb weniger Jahre – zweier Abstiege sowohl der ersten wie auch der zweiten Mannschaft.

Ich selbst habe meine Wahlentscheidung natürlich längst getroffen und werde an dieser Stelle keine Empfehlung aussprechen – weiß ja ohnehin fast jeder, für welchen Kandidaten ich stimmen werde. Aber wer auch immer von den Beiden demnächst Präsident des VfB Stuttgart wird – ich hoffe sehr, das derjenige dann schleunigst den Jekyll in den Keller bringt und den Hyde rausholt. Bildlich gesprochen natürlich nur. Keinem Menschen soll Gewalt angetan werden, niemals. Aber wenn der künftige Präsident auch intern beim VfB so weiterschmust wie bisher, dann wird auch er von den Herren Aufsichtsräten und ihren Schergen am Nasenring durch die Manege gezogen werden und sonst nichts. Und das, liebe Mitgliederinnen und Mitglieder, genau das sollten wir doch bitteschön endlich mal hinter uns lassen.

Und jetzt warum ist der Blutdruck denn wirklich so hoch? Weil ich ein, Sie entschuldigen, richtig rattenscharfes eigenes Projekt an den Start bringen musste. Bringen wollte. „BALLWALL – a birthday project“ heißt es. BALLWALL ist eine Aktionsreihe, mit der konstruktiv auf gesellschaftliche Entwicklungen hingewiesen werden soll. Die zum Nachdenken anregen soll. Über Themen wie Integration, Umwelt, Zusammenleben, darüber, wie der einzelne Mensch sich als Teil der großen Gesellschaft verhält. Schuldzuweisungen finden nicht statt, ebenso wenig wird mit dem Finger auf andere gezeigt.

Gemeinsam mit meinen partners in crime Claus Geiss und Pascal Baumgärtner konnten wir Handball-Weltstar Uwe Gensheimer als aktiv mitmachenden Schirmherren für BALLWALL gewinnen, und ich bin über die Maßen froh, diesen ganz speziellen, ganz normalen Typen kennengelernt zu haben.

Mehr Werbung will ich an dieser Stelle gar nicht machen – Sie schauen am besten selbst mal im Internet nach, oder im Fernsehen aich, jaja, beim Bezahlsender zwar, aber frei empfangbar, heute ab 1930, googeln ein wenig, besuchen den Instagram-Account @ballwall_org oder holen sich Basisinfos unter www.ballwall.org. Und wenn man zu zweit ein 100-seitiges Buch schreibt, gestaltet, konzipiert, indesignt und für den Druck fertig macht, so wie man früher in der Schule die Referate auf den allerletzten Drücker abgegeben hat, dann steigt halt nicht nur der Zeit- sondern auch der Blutdruck manchmal in bedenkliche Höhen.

Und wer die begleitende Ausstellung besuchen will: Wir hängen bis mindestens Ende Januar 2020 mitten in Schwetzingen mitten in der wunderbar runtergerockten Lore-Eichhorn-Halle. Da findet tagtäglich Sport statt, vom Kinderturnen über Tischtennis bis zur Schlaganfallgruppe – und für die Öffentlichkeit ist jeden Dienstag und Donnerstag von 10 bis 15 Uhr Besuchszeit. Außer in den Ferien, da ist geschlossen. Denn die Ferien sind die Zeit, in der der Blutdruck wieder sinken kann.

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