By the way 348 – unseren täglichen Hitz gib uns heute...

Es bedarf nicht vieler Worte, den desaströsen Auftritt des damaligen Tabellenführers VfB Stuttgart am vergangenen Freitag gegen den damaligen Tabellenletzten SV Wehen Wiesbaden noch Tage später zu beschreiben. Weite Teile meiner VfB-affinen, bruddelnden Social-Media-Blase hatten die Niederlage ohnehin vorhergesehen, schwieriges Umfeld Hilfsausdruck.

Spott und Häme nach dem Spiel waren also klar – und selbst ein Roland Eitel war diesmal mit von der Partie. Der Berater, der sonst gerne im Hintergrund bleibt und sein Geld derzeit unter anderem auch als Alter Ego von Präsidentschaftsbewerber Guido Buchwald verdient, bemühte bei Facebook den Neo-Klassiker von der Ungerechtigkeit, weil der VfB ja nicht nur gegen Wehen sondern auch gegen Wiesbaden habe spielen müssen. Zumindest enden wollender Applaus hierfür, und Verwunderung gleichzeitig darüber, dass die ehemals doch sehr assoziierten Compadres der Facebookseite „Fokus VfB“ diesen mittelneuen Witz nicht gleich über die eigenen Kanäle rausgejagt haben.

Spannender als die Leistungen auf dem Platz sind in Verein und AG aus Cannstatt ohnehin die Winkelzüge und Scharaden rund um die anstehenden Postenbesetzungen. Über zweifelhafte Kommunikation bezüglich freier Ämter im Vereinspräsidium habe ich mich bereits ausgelassen, Guido Buchwald als Bewerber um die Präsidentschaft wird schwer zu übergehen und, warum auch immer, leicht zu wählen sein – also geht es heute um den Posten des Vorstandsvorsitzenden der VfB AG. Hier haben die Verantwortlichen wohl einen Mann abgelehnt, dem ich normalerweise ungefragt aus der Hand fressen würde. Einen smarten, gut aussehenden, mit allen Wassern gewaschenen Schweizer, einen Mann, der nicht nur extrem gut vernetzt ist sondern auch noch dieses sympathisch baselige Schweizerdeutsch spricht. Aber: Bernhard Heusler hat vor gar nicht allzu langer Zeit eine Firma gegründet, die sich u.a. auf die Beratung von Spielern, Trainern und Clubs spezialisiert. Mit seinem Firmenpartner Georg Heitz beriet er kurzzeitig auch den gefallenen Traditionsclub Grashoppers in Zürich und fungiert beim FC Luzern als Berater des Hauptaktionärs Bernhard Alpstaeg. Bei Legia Warschau in Polen berät er Eigner Dariusz Mioduski und soll in dieser Eigenschaft einen Investor namens Quattrex dorthin vermittelt haben. Berichterstattung zu diesem Umstand in den Stuttgarter Medien bislang: Fehlanzeige.

Beim VfB scheinen sie diese in vielerlei Hinsicht schlecht riechende Information aber sehr wohl gesteckt bekommen und sich gedacht zu haben: Da bleiben wir doch lieber unter uns.

Also macht Allzweckwaffe Thomas Hitzlsperger künftig den CEO und in Personalunion auch gleich noch den Sportvorstand, was neben der überfälligen Entlassung des Geschäftsleitungsmitglieds Kommunikation, Oliver Schraft, eine interessante neue Perspektive eröffnen könnte. Schließlich war der Hitz schon quasi alles beim VfB. Er war Spieler, Schnittstelle, Vizepräsident, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums und Sportvorstand. Jetzt noch der CEO dazu – dann steht doch einer Überraschungskandidatur als VfB-Präsident außer kleineren Satzungsänderungen nichts mehr im Wege. Denn Verein bedeutet vereinen. Und das darf für die Ämter ja wohl genauso gelten wie für die Mitglieder.

Als Präsidentschaftskandidat hätte Thomas Hitzlsperger gute Chancen gegen Guido Buchwald – und wenn’s sportlich nicht so läuft, kann er immerhin als CEO sich selbst als Sportvorstand entlassen. Unter Umständen sogar im Einvernehmen mit dem Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger. Das wäre ein Ding. Und ganz im Ernst: Warum der VfB die Position des Vorstandsvorsitzenden überhaupt und noch knapp vor der Wahl des neuen Präsidenten schafft, wenn er sie am Ende doch mit Thomas Hitzlsperger besetzt, der gleichzeitig weiterhin Sportvorstand bleibt, das weiß wohl nur der VfB selbst. Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass man nach wie vor frischen Wind von außen scheut. Warum auch immer...

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