By the way 341 – Urlaub statt VfB...

Einmal noch, dann Urlaub. Denn Pfingsten ist zwar schon längst das neue Sommer, aber heuer passt es halt auch für uns endlich mal. Stelle ohnehin eine gewisse Urlaubsreife fest. Der VfB Stuttgart abgestiegen, die meisten bösen Geister noch dabei. Schauen wir doch mal, wie sich das alles jetzt darstellt:

Der Präsident ist gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der AG und gebärdet sich, als wäre er auch Vorstandsvorsitzender. Dabei gibt es diese Position noch gar nicht, und jetzt warum wohl?

Jahrelange Vorwürfe, er profitiere wirtschaftlich am Erfolg direkter Konkurrenten, bestreitet der Multifunktionär konsequent, um dann peu a peu genau diese Profite an seinen Sohn weiterzureichen. Nachzulesen im Handelsregister.

Der „Ankerinvestor“ genannte Stadionnachbar Daimler hält nicht 89 sondern lediglich 11 Komma irgendwas Prozent an der VfB AG, gibt aber schon während einer Sitzung des Aufsichtsrates eine Pressemeldung heraus, in der alle handelnden Personen gestützt werden und ihnen das Vertrauen ausgesprochen wird. Viele dieser handelnden Personen haben in leitender, verantwortungsvoller Position den zweiten Abstieg innerhalb von drei Saisons mitgemacht, sie haben Personalien mitgetragen oder durchgedrückt, als wären sie allesamt Vorstände, die ohne die Kontrolle eines Aufsichtsrates nach Belieben schalten und walten können mit dem Ziel, dass jeder auch noch so entfernte Amigo sich am VfB irgendwie die Taschen füllen kann.

Präsident Dietrich streicht Sportvorstand Reschke eine Klausel aus dem Vertrag, wonach dieser im Falle vorzeitiger Entlassung keine Abfindung erhalte. Wenige Wochen später wird Reschke entlassen und kassiert weiter Gehalt bzw. Abfindung. Zum VfB hat er einige teure Spieler geholt, also Transfer inkl. Beraterhonorare für diesen und jenen, ebenfalls enthaltene Kickbacks natürlich nicht nachweisbar – und jetzt ist derselbe Reschke bei Schalke, warum auch immer, und wir freuen uns schon heute für alle Beteiligten, wenn mindestens einer der zuvor zum VfB geholten Spieler auch nach Gelsenkirchen wechselt.

Es ist eine Seilschaft in Stuttgart am Werkeln, die den Verein nachhaltig ruinieren und erst dann ruhen wird, wenn auch der letzte Blutstropfen bzw Euro aus dem VfB herausgesaugt und in irgendwelchen Taschen verschwunden ist. Seien Sie in diesem Zusammenhang gespannt auf den nächsten Investor.

Das Projekt „sofortiger Wiederaufstieg“ gehen indessen Berufsanfänger an. Der gute Thomas Hitzlsperger als Vorstand, der selten lachende Sven Mislintat als Sportdirektor, das Diamantenauge, das nach Perlentaucher Reschke der nächste Wunschkandidat Wolfgang Dietrichs war, und über dessen Abgang aus Dortmund in der Branche bis heute durchaus unterschiedliche Meinungen existieren (wobei schon die beiden Spitznamen völlig ausreichen, um ein tiefes Misstrauen zu erzeugen), und der Trainer Tim Walter, dessen Fußballphilosophie und Kadervorstellungen denkbar diametral dem entgegenstehen, was der VfB in den vergangenen Jahren zusammengestümpert hat. Aber macht ja nichts, Geld war hier noch nie das Problem. Wie denn auch, wenn der während zweier Abstiege und wahrscheinlich mehr als 100 Millionen sinnlos verbrannter Euros verantwortliche Finanzvorstand wortwörtlich sagt: "Dieser Verein hat kein Mittelherkunftsproblem, er hat ein Mittelverwendungsproblem". Also, der da jetzt sagt, man habe zwar genug Kohle, investiere diese aber falsch, das ist nicht der U11-Cotrainer sondern der verantwortliche Finanzvorstand, der seit Jahren, vor und nach der Ausgliederung, im Auftrag seines großen Präsidenten stets betont, wie lebenswichtig Investoren sind.

Ok, holen wir eben neue Spieler, die zum neuen Trainer passen. Und wenn wir den Trainer dann im Herbst unter fortlaufenden Bezügen freistellen und einen anderen Trainer mit komplett anderer Spielidee holen, dann holen wir dem eben auch wieder neue Spieler. Außerdem haben wir ja noch Mario Gomez, dessen Vertrag ihm sechs Millionen Euro jährlich wohl auch für die Zweite Liga garantiert hätte, der aber im Zweifel von sich aus generös auf 4,5 Millionen runtergegangen ist – schließlich macht er ja nur Altersteilzeit beim VfB. Und da wird er nicht der einzige bleiben.

Noch etliche weitere Personalien müssten an dieser Stelle angesprochen werden, aber ganz ehrlich: Ich mache jetzt lieber mal Pause hier bis Ende Juni oder Anfang Juli. Die spätestens dann voll anlaufende Propaganda zur Mitgliederversammlung lässt sich sicher besser mit vollen Sonnentanks ertragen. Propaganda übrigens, um einen Mann im Amt zu halten, den man nur dank größtmöglicher Propaganda überhaupt in dieses Amt bekommen hat. Propaganda, mit der den Mitgliedern erneut Angst gemacht werden soll, Angst vor Chaos ohne Wolfgang Dietrich. Und auch das ist eine glatte Lüge. Denn der VfB ist handlungsfähig, auch ohne Präsident. Die Satzung regelt das, der Vereinsbeirat muss dann neue Kandidaten vorschlagen, die sich auf einer neuen Mitgliederversammlung zur Wahl stellen können, ohne mit einer von Wolfgang Dietrich ausgehenden Schmutzkampagne überzogen zu werden.

Was bleibt ist die Hoffnung. Darauf, dass erste Absetzbewegungen innerhalb der alten Seilschaft bislang zwar noch mit Geld oder anderen Vergünstigungen ruhig gestellt werden können, aber dass diese Ruhe nicht von langer Dauer ist. Sondern die Ruhe vor dem Sturm.

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